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Stefanie Pionke zu Neujahrsvorsätzen

Mehr Sport treiben, weniger trinken oder essen und das Rauchen am besten ganz bleiben lassen. Diese Punkte nehmen die Spitzenplätze unter den Neujahrsvorsätzen des Durchschnittsbürgers ein. Das zeigt sich daran, dass sich zumindest im Januar Schlangen vor den Fitnessgeräten in Sportstudios bilden und die Joggingstrecke im Park buchstäblich überlaufen ist. Dafür ist das Einkaufen im Weinhandel deutlich entspannter, und auch im Restaurant findet man schneller einen Tisch – immer gesetzt den Fall, dass man zu den Zeitgenossen ohne gute Vorsätze zählt. Doch was nimmt oder sollte sich die Agrarwirtschaft für 2016 vornehmen?

Glaubt man der Einschätzung von Marktbeobachtern, dürfte sich die Strategie "Ich sitz auf meinem Getreide. Egal ob die Silos weltweit überquellen – der Preis steigt trotzdem, und erst dann verkaufe ich" bald rächen. Wenn im 1. Jahresquartal Scharen von Landwirten und Händlern ihren Weizen anbieten und gleichzeitig kurstreibende Wetterkapriolen in den wichtigen Produktionsgebieten ausbleiben (und so sieht es momentan aus, aber genau weiß man das ja nie), ist Preisdruck programmiert. Die Stimmung am Markt dürfte sich parallel zum Fall der Preise verschlechtern – wer von Berufs wegen Marktberichte schreibt, dem schwant Übles. Die Lemminge unter den Verkäufern, die scharenweise auf den Markt drängen und ihr Getreide verscherbeln müssen, sollten sich spätestens für 2017 eine neue Verkaufsstrategie vornehmen. Wie die aussehen könnte? Möglicherweise ist die vielbeschworene, kontinuierliche Vermarktung über das gesamte Wirtschaftsjahr hinweg eine Alternative.

"Mehr Ruhe in der Personalpolitik" dürfte ein Vorsatz für 2016 in manch einem Konzern lauten. So zeigte sich die Personalstruktur der Baywa 2015 besonders, sagen wir, dynamisch. In der Agrarchemie ging es 2015 ebenfalls heiß her: Zwei Vorstandschefs nahmen ihre Hüte. Und auch Südzucker ließ es krachen in der Vorstandsetage.

Unter das Motto „Neues Jahr, neues Glück“ dürften diejenigen, die beim Übernahmepoker 2015 schlechte Karten hatten, den Jahreswechsel stellen. So blitzten die Kanadier von Potash mit ihrer Kaufofferte bei K+S ab. Auch die schweizerische Syngenta erwies sich als störrische Braut, wollte sie dem Werben von Monsanto einfach nicht nachgeben. Weniger Scheu hatten offenkundig Du Pont und Dow Chemicals, schmiedeten beide Konzerne doch unlängst die Allianz mit Namen „Dow Du Pont“. Wer weiß, ob 2016 doch noch eine „Mongenta“ oder „Synsanto“ bringen wird.

Ein dickeres Fell haben oder mutig in Verhandlungen mit der Hausbank treten, dürfte sich manch ein Tierhalter vornehmen. Wer offensiv mit Forderungen nach mehr Tierwohl und der Kritik an der Nutztierhaltung umgehen will, braucht Nerven wie Drahtseile. Das gilt auch für diejenigen Erzeuger, deren Märkte gerade in einem Schweinezyklus gefangen sind. Vor allem Milchvieh- und Schweinehalter müssen mit spitzem Bleistift kalkulieren und eine ordentliche Portion Optimismus für die kommenden Monate mitbringen.

Und in der Agrarpolitik? Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt dürfte sich wohl vornehmen, einen großen Bogen um Kamerateams einschlägiger Satiresendungen zu machen, hatte ihm sein Auftritt in der „Heute Show“ im Januar 2015 doch ein breites Medienecho beschert. Schmidt hatte sich freimütig bereit erklärt, ein Schild mit der Aufschrift „Je suis Greußner Salami“ in die Kamera zu halten, um den Herstellern regionaler Produkte die Angst vor dem Handelsabkommen TTIP zu nehmen. Und danach sagte Schmidt auch noch „Je suis Schwäbische Spätzle“ und Allgäuer Emmentaler. Trotz aller Häme ließ es sich der Minister nicht nehmen, auch später im Jahr medial als Lebensmittelverteidiger in Erscheinung zu treten. So sprang er der Bratwurst zur Seite, als die Internationale Krebsforschungsagentur IARC im Herbst verarbeitetes und rotes Fleisch als "krebserregend" beziehungsweise "wahrscheinlich krebserregend" einstufte.
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