Steffen Bach zu Einfuhrkontrollen in Ägypten

Die Inspektoren schlagen zurück

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Steffen Bach zu Problemen bei den Einfuhrkontrollen für Weizen in Ägypten

Getreideexporte nach Ägypten sind in diesem Jahr für die Lieferanten zum Lotteriespiel geworden. Die Ladungen werden in den Häfen am Nil akribisch und mit hohem Aufwand und entsprechenden Kosten überprüft und nicht selten finden die staatlichen Inspekteure einen Grund, die Ware zu beanstanden. Kleinste Anlässe werden genutzt, um ganzen Schiffsladungen die Einfuhr nach Ägypten zu verwehren. Für Aufsehen sorgte der Fall einer rumänischen Weizenlieferung, die wochenlang aufgehalten wurde, weil sie Mohnsamen enthielt.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet nun darüber, dass die staatlichen Inspekteure bei ihrer gründlichen Arbeit wohl nicht nur die Sorgen um die Gesundheit der Verbraucher umtreibt. Bis Ende 2016 durften die Beamten der General Organization for Export and Import Control (GOEIC) in die Herkunftshäfen reisen und das Getreide vor der Abfahrt der Schiffe nach Ägypten kontrollieren. Die Dienstreisen bezahlten die Exporteure und hin und wieder kam der Verdacht auf, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verlauf der Inspektion und der Qualität der Gästebetreuung geben könnte. Mit den Jahren scheinen die Ansprüche der ägyptischen Beamten gestiegen zu sein und damit auch die Kosten für Hotel, Taschengeld und Shoppingtouren.

Solange das System für beide Seiten funktionierte, hielten die Exporteure still. Doch 2015 haben die Inspekteure den Bogen möglicherweise überspannt. Damals wurde französischer Weizen beanstandet, weil er Mutterkorn enthielt. Die von der ägyptischen Seite eingeleitete Null-Toleranz-Politik für Mutterkorn hatte bei den Exporteuren das Fass zum Überlaufen gebracht. Denn so hätte man sich vollends den Launen der Kontrolleure ausgeliefert. Der internationale Handel drängte nun darauf, dass die Inspektionen in den Verladehäfen von unabhängigen Firmen übernommen werden. Seit dem Beginn des Jahres 2017 wird genau so verfahren und die Beamten der GOEIC sind raus aus dem Dienstreise-Geschäft.

Der Ärger der Betroffenen über das Ende der luxuriösen Auslandsreisen ist offenbar groß. Die in Ägypten festsitzenden Kontrolleure lassen keine Gelegenheit aus, den beauftragten Firmen in den Verladehäfen eine ungenügende Arbeit nachzuweisen. Für den ägyptischen Staat ist das nicht billig. Weil kaum abzuschätzen ist, ob der Weizen ohne Probleme ins Land gelassen wird, werden Exporte nach Ägypten mit Risikoprämien versehen. Bei einer Importenge von mehr als 10 Mio. t wird das für die ägyptische Regierung richtig teuer. Die Inspekteure haben die Chuzpe vorzurechnen, dass das alte System kostengünstiger gewesen sei. Den Verdacht, dass sie mit ihrer übergründlichen Arbeit Druck auf die Regierung ausüben wollen, um selbst wieder ins Ausland fahren zu dürfen, weisen sie weit von sich.

Für die deutschen Exporteure sind Fragen zu Weizenexporten nach Ägypten zurzeit kein Thema. Aktuell haben sie gegen die russische Konkurrenz ohnehin keine Chance. Doch im Winter könnte sich das Blatt wenden. Nun könnte man sagen, bis dahin bleibt noch etwas Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, mit welchen Mitteln man die ägyptischen Beamten milde stimmen könnte. Doch eine gute Idee wäre das nicht. Denn die Zeiten in, denen deutsche Firmen ungestraft im Ausland großzügig schmieren und die Kosten auch noch von der Steuer absetzen konnten, sind schon lange vorbei.
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