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Daphne Huber-Wagner zum Milchmarkt

Kein Tag vergeht, an dem nicht aufgebrachte Landwirte vor Tagungshotels und Kongresszentren ihre Wut und Enttäuschung zum Ausdruck bringen. In ihrer Not fehlt es ihnen aber nicht an Ideen, um vor allem die Verbraucher über die Spottpreise, die sie für ihre Produkte von Molkereien und Fleischunternehmen bekommen, zu informieren. In Fulda, wo seit Mittwoch die Agarminister von Bund und Ländern um Auswege aus der Milchkrise Ringen, verkaufen Landwirte Grillwürstchen für 19 Cent, Brötchen für 1 Cent und den halben Liter Milch für 14 Cent, um so ihre katastrophale Einkommenssituation zu verdeutlichen.

Die flexible Mengensteuerung macht während der AMK ständig die Runde. Dabei weiß eigentlich jeder, dass dieses Instrument auf einem liberalen Weltmarkt tabu ist. Das wissen auch die grünen Agrarpolitiker, die in Fulda auf eine marktgerechte Produktion pochen. Damit solidarisieren sich die sonst in der Landwirtschaft als grüne Spinner verpönten Alternativen mit einigen Bauernverbänden, die ähnliche Forderungen haben.

Milcherzeuger, die viel Geld in ihre Milchställe gesteckt haben, um sich fit für den Weltmarkt zu machen, geht langsam die Puste aus. Sie können ihre Kredite nicht mehr bezahlen. Spätestens im nächsten Frühjahr wenn der letzte Cent der großzügig vorab ausbezahlten Direktzahlungen ausgegeben ist, geht es in der Landwirtschaft bei vielen Betrieben ums nackte Überleben. Die erste Verkaufswelle von großen Betrieben in Ostdeutschland hat begonnen. Selbst Öko-Lebensmittelhändler wie Dennree greifen zu. Die Bauernverbände müssen um ihre Mitgliedszahlen fürchten, die Austritte nehmen mit jedem Höfesterben zu. Den Politikern hinter abgeriegelten bewachten Schlossmauern in Fulda ist zu empfehlen, ihre nächste Agrarministerkonferenz im Frühjahr 2016 auf dem Land mit Stallgeruch in Mecklenburg-Vorpommern, welches dann den Vorsitz führt, zu veranstalten.

Landwirte fühlen sich nicht ernst genommen.  Ihre Emotionen sind so groß, dass sie das AMK-Tagungshotel in Fulda mit Böllerschüssen am Freitag mittag stürmen und sich Eintritt verschaffen. Die Wut und Verzweiflung ist groß. Wenn sich sogar untereinander Landwirte im Dorf streiten, welcher Verband das bessere Lösungskonzept hat, ist das eine bedenkliche Entwicklung. Hier heißt es aufgepasst, wissen doch die Parteien geschickt, solche Strömungen sei es für oder gegen Angebotssteuerung sich auf die Fahnen zu schreiben. 
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