--

Dr. Angela Werner zur Entscheidung des Presserates

An den Deutschen Presserat geleitete Beschwerden sind nicht ungewöhnlich, vor allem im Genre des Boulevards kommt dies durchaus häufiger vor. Für die Agrarbranche ist es schon ein bemerkenswertes Ereignis, wenn sich dieses Gremium mit der Berichterstattung über diesen Sektor auseinandersetzt. Landwirte, Tierhalter und Tierärzte fühlten sich in der Zeit-Serie „Die Rache aus dem Stall“ verunglimpft und verwahrten sich gegen pauschale Kritik sowie einseitige Berichterstattung. Der Deutsche Bauernverband hat dagegen Beschwerde beim Presserat eingelegt – das ist sein gutes Recht. Die Beschwerde wurde auch angenommen und geprüft. Die Selbstkontrolle der Medien funktioniert also.

Der DBV, der das Ergebnis qua seines Auftrages natürlich als Erfolg verkauft, hat allerdings lediglich in einem Punkt Recht bekommen - und das auch nur in abgeschwächter Form. Der Presserat hat keine Rüge erteilt, sondern lediglich der Zeit einen Hinweis gegeben, den diese zur Kenntnis nehmen soll. Die Wochenzeitung hatte den Brief eines in dem Artikel genannten Arztes, der etwas klarstellen wollte, zwar veröffentlicht. Dies reichte jedoch nach Meinung des Presserates nicht als Richtigstellung aus. Der Presserat sieht in der Darstellung aber nur eine „handwerkliche Ungenauigkeit“, jedoch keinen Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht. Dies mag die Gemüter der betroffenen Tierhalter nur wenig befriedigen.

Aber im Grunde genommen kann der Presserat auch nicht beurteilen, wer Recht hat. Denn die Sachverhalte sind so komplex, dass dafür wahrscheinlich auch zehn Artikelreihen nicht ausreichen würden, um sie korrekt abzubilden. Positiv an dem aktuellem Vorgang ist, dass eine Sensibilisierung auf beiden Seiten weiter vorangetrieben wird – sowohl auf der Seite der schreibenden Zunft als auch der Branchenvertreter, über die geschrieben wird –, dass vor allem komplexe Themen von verschiedenen Seiten beleuchtet werden müssen und dies auch nur im offenen Dialog miteinander geschehen kann.

Das Image der Landwirtschaft hat sich in der vergangenen Zeit zum Positiven verändert. Dazu haben vor allem die Landwirte selbst beigetragen, aber auch die Funktionäre in den Verbänden, die sich den Diskussionen mit der Öffentlichkeit stellen. In der Folge haben sich auch die Berichterstattung in den Publikumsmedien, die Wahrnehmung der Landwirtschaft und die Auseinandersetzung mit der Agrarbranche gewandelt.

Die Darstellung von Pro und Kontra gehört aber ebenso zu einer seriösen und guten Berichterstattung wie die Aufdeckung von Missständen – denn das ist auch eine Aufgabe von Journalismus und Teil des öffentlichen Diskurses. Ohne ihn würden beispielsweise unsere Gewässer, statt Lachsen ein Zuhause zu geben, nach wie vor zum Verklappen von Chemiemüll missbraucht. Oder wir würden hierzulande ohne die strikten Auflagen zum Immissionsschutz wie in vielen chinesischen Großstädten einen Mundschutz tragen.

Auch eine kritische Berichterstattung muss die Agrarbranche daher aushalten. Entscheidend ist, wie man damit umgeht und darauf reagiert oder pro-aktiv agiert. Sich mit verschränkten Armen in die Ecke stellen und unter Experten über die ignorante Masse zu schimpfen, hilft niemandem weiter. Die Landwirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und sollte sich auch so gegenüber den Medien mit einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit präsentieren. Darüber hinaus tun alle Vertreter der Branche gut daran, sich auch weiterhin für den Dialog und Aufklärungsarbeit einzusetzen. "Dranbleiben" lautet die Devise. Denn was in vielen Jahren an Imagepflege versäumt wurde, lässt sich nicht über Nacht ins rechte Licht rücken.
stats