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Katja Bongardt über den Umgang mit Medien

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Die Reparaturarbeiten zur Berichterstattung des WDR über Antibiotika und die bösen Tierhalter in der Sendung „Markt“ erinnern an die Mühsal kleiner Nager, hier ein Nüsschen und dort ein Körnchen zu sammeln, um über den bitterkalten Winter zu kommen.


In diesem Fall steht Winter für die vorurteilsgeleitete Berichterstattung des WDR. Und der Landwirt und der Tierarzt, die neben anderen zur Diskussion unter dem Label "Konstruktiver Journalismus" in die "Markt"-Sendung geladen wurden, müssen sich tatsächlich wie ein Hörnchen vorkommen, das permanent damit beschäftigt ist, Schnipsel für Schnipsel zusammenzutragen, um das schiefe Bild in der Öffentlichkeit wieder geradezurücken.


Zu korrigieren war ein Bild, das durch eine Mischung aus vorgefertigter Meinung und Dreistigkeit entstanden ist. Gerne nahm die WDR-Redaktion die Dienste des konventionell wirtschaftenden Landwirts Johannes Röring bei der Vermittlung eines geeigneten Drehortes in Anspruch. Auch für ausführliche Vorgespräche (die Rede ist von drei Stunden) standen Landwirt und Tierarzt Rolf Nathaus zur Verfügung. Doch der zehnminütige Zusammenschnitt vom 4. Mai bot dann vor allem dem grünen NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel eine Bühne und hatte darüber hinaus den Schuldigen für sämtliche Antibiotikaresistenzen schon in der Anmoderation verhaftet: den Landwirt.


„Ich sage den Bauern immer: Öffnet Euch“, erklärt Röring, der die Initiative Tierwohl mit auf den Weg gebracht hat und im Deutschen Bauernverband engagiert ist. Und dann tappt er selber in die Vorurteils-Falle. „Was soll ich denen denn jetzt noch sagen?“ fragt er etwas ratlos.


Die Ratlosigkeit hat sich mittlerweile gelegt. Denn Röring hat sich ebenso wie Nathaus für die Eichhörnchen-Tour entschieden. Hier ein Brief an den WDR-Intendanten Tom Buhrow, da ein Telefonat mit der verantwortlichen Redaktion, dort ein Post auf Facebook oder Twitter. Das Ergebnis sind ein offiziell geäußertes Bedauern vonseiten des WDR, dass Johannes Röring nicht zu Wort gekommen ist, und die Ankündigung, die komplette Aufzeichnung der Diskussion (etwa zwei Stunden) am 18. Mai auf die WDR Markt-Homepage zu stellen. Das war am 19. Mai noch nicht geschehen.


Was lernt der Bauer daraus? Erstens: Die wirkliche Öffentlichkeitsarbeit fängt erst an, wenn sie eigentlich zu Ende zu sein scheint, nämlich nach der Berichterstattung. Zweitens: Die Ergebnisse können trotzdem mager ausfallen. Drittens: Du hast keine Wahl. Still bleiben macht es nur schlimmer.


Aus aktuellem Anlass zum Schluss noch etwas Positives. Der SWR hat kürzlich gezeigt, wie es gehen kann. Dieser öffentlich-rechtliche Sender kommt in seinem Glyphosat-Bericht ganz ohne das Medien-Modewort "Konstruktiver Journalismus" aus und macht es dafür umso ausgewogener. Geht doch. Darauf ein Nüsschen.

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