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Katja Bongardt zur Belustigung über Berufswettbewerbe

Wer zahlt schon gerne Steuern? Und über welches Thema lässt sich besser wettern als über die falsche Verwendung unserer Steuergelder? Das Wettern ist das Geschäftsmodell des Bundes der Steuerzahler Deutschlands (BdSt). Ein durchaus erfolgreiches Modell. Immerhin zählt der Verein nach eigenen Angaben mehr als 250.000 Mitglieder. 


Jetzt, im Frühjahr, putzt der BdSt mal wieder ordentlich die Ausgabenposten des Bundeshaushaltes durch. Seit vergangener Woche läuft die „Aktion Frühjahrsputz“, in der täglich ein ausgewählter Fall der Kategorie „überflüssig“ veröffentlicht wird. Eines der ersten Opfer ist das Bundeslandwirtschaftsministerium. Süffisant werden die aus öffentlichen Geldern finanzierten Berufswettbewerbe durch den Kakao gezogen. Mit großer Lust am Bloßstellen beschreibt der Verein Wettkampfdisziplinen, bei denen Gärtner Symbole der Weltreligionen erkennen können und zu selbstgebundenen Kränzen Gedichte aufsagen müssen. Auch das Wettmelken und (demnächst auch noch) das Wettpflügen bekommen ihr Fett weg. Denn sie alle werden mal mehr mal weniger mit Steuergeldern unterstützt. 


„Inkompetent“ ruft die Landjugend zurück und „Irritierung der Öffentlichkeit durch Halbwissen“. Zu Recht verweist die Landjugend a) auf das überwältigende ehrenamtliche Engagement bei solchen Wettbewerben und b) auf die damit erreichte Unterstützung der schulischen Aus- und Weiterbildung. 


Keine Frage: Derjenige, der es schafft, öffentliche Förderungen für seine Vorhaben zu finden, verdient Anerkennung. Universitätsvertreter klopfen sich bei erfolgreicher Drittmitteleinwerbung schließlich auch gegenseitig auf die Schulter. 


Doch sei die Frage erlaubt, warum gerade die Agrarwirtschaft so gerne angegriffen wird. Der Vorsatz, mehr junge Menschen wieder für einen Ausbildungsberuf zu begeistern, ist für einen Wettbewerb eigentlich Legitimierung genug. Auch das Handwerk hält mit öffentlichen Mitteln unterstützte Berufswettbewerbe ab, ist aber nicht Ziel der Steuervermeider-Kampagne. 


Also: Muss ich in Zeiten von Smart Farming und autonomen Schleppern tatsächlich noch mit staatlicher Unterstützung beweisen, dass ich ein Feld in Form eines Trapezes beackern kann? Das macht die Maschine bald eigenständig und voraussichtlich präziser. Hat der Steuerzahlerverein mit seinem Staubwedel wirklich so unrecht?


Jedem sei sein privates Acker- und Lyrikvergnügen gegönnt. Doch kann man nicht auch den Vertretern der Landwirtschaft eine gewisse Inkompetenz in der Vermittlung ihrer Anliegen vorwerfen? Warum zeigt die Agrarwirtschaft nicht öfter ihre innovativen Praktiken, die jenseits der romantischen Vorstellungen vielleicht neue Lust auf Landwirtschaft machen? Warum lässt sie es zu, dass sie immer noch in die Ecke des Bauern- und Gartentölpels gestellt werden kann?


Einmal feucht durchwischen bitte!
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