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Stefanie Awater-Esper zu DBV-Präsident Joachim Rukwied

Ein Jahr hat Joachim Rukwied jetzt als Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) absolviert. Doch sie sind sich noch immer ein wenig fremd geblieben, die in den Landesbauernverbänden organisierten Landwirte und ihr Präsident. Trotz der langen Erfahrung, die er hat, als Funktionär und als Landesbauernpräsident in Baden-Württemberg. Rukwied haftet das Image eines kühlen Wirtschaftsbosses an.

Auf dem Deutschen Bauerntag diese Woche in Berlin hatte sich Rukwied vorgenommen, sein öffentliches Bild zurecht zu rücken. „Sie haben vielleicht gemerkt, dass ich heute ein bisschen emotionaler und deutlicher bin", versucht er in seiner Rede plötzlich und unvermittelt die unter der Hand immer wieder angeklungene Kritik anzusprechen. Im Saal regt sich daraufhin wenig.

Auch sonst gehen die Delegierten ausgesprochen sparsam mit Applaus während Rukwieds Rede um. Es braucht gut eine viertel Stunde bis er das erste Mal eine Regung in den Reihen erzeugt und die Delegierten die Hände aufeinander schlagen. Da hat er schon die Verhandlungsergebnisse der EU-Agrarreform vom Finanzrahmen über das Greening, der Umverteilung bei den Direktzahlungen und den Zuckermarkt abgehandelt und ist beim Thema Milch angekommen. „Wenn die Kommission eingegriffen hat, war's immer schlecht, das hat meist dazu geführt, dass die Bauern weniger Geld hatten", lautet die Aussage, die den Applaus auslöst.

Erst als er zur Medienschelte ansetzt, kommen die Delegierten richtig in Fahrt und danken es ihm einmal mit frenetischem Beifall. „Ich fühle mich in meiner Ehre angegriffen", sagt Rukwied über die Berichte, die eine Massentierhaltung kritisieren oder mehr Umweltstandards einfordern. Da blitzt auf, dass an dem so kühl daher kommenden DBV-Präsident all das, was im vergangenen Jahr über ihn geschrieben und gesagt wurde, nicht spurlos vorüber gegangen ist. „Das bringt mich auf die Palme", gipfelt er. Er wolle die deutsche Landwirtschaft gemeinsam mit den Landwirten nach vorne bringen, setzt Rukwied weiter zur Rechtfertigung an, deshalb sei er an diesem Tag emotionaler.

Dann endet sein emotionaler Exkurs jedoch, und er fällt wieder in seine angestammte Rolle zurück, nennt recht unkonkret die Begriffe Freiheit und Staat, Unternehmertum und Regulation. Rukwied berichtet ausführlich vom Besuch des Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, und davon, in wie vielen Punkten er doch mit ihm übereinstimmt. Für einen Moment ist nicht klar, ob dort der Präsident des Deutschen Bauernverbandes oder der des Bundesverbands der Deutschen Industrie spricht.

Zum Schluss führt Rukwied der Flächenverbrauch wieder auf die agrarpolitische Agenda zurück. Den Balsam für die Bauernseele liefert im Anschluss an seine Rede jedoch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die den Landwirten ihr Vertrauen ausspricht - etwa in den verantwortungsvollen Umgang mit Direktzahlungen. „Die Rede hat gut getan, weil sie die Leistung der Landwirte unterstützt", dankt der Präsident es selbst der Regierungschefin.

Für Standing Ovations scheint die Zeit in Rukwieds DBV-Karriere noch nicht gekommen zu sein. Die bekamen auf dem diesjährigen Deutschen Bauerntag in Berlin andere, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Noch-Bundesagrarministerin Ilse Aigner.

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