Endlich fertig

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Peter Seeger zur neuen Düngeverordnung

Was ewig währt wird endlich (gut). Zumindest ist eine gewisse Planungssicherheit in Sicht. Es wird zwar noch eine gewisse Zeit dauern, bis alle Unklarheiten ausgeräumt sind. Die Landwirtschaft hat mit der neuen Düngeverordnung aber immerhin einen Rahmen für die nächsten Jahre und die EU ist auch beruhigt.


Gekniffen sind wieder mal hauptsächlich die Tierhalter. Nicht nur, dass nun auch die Biogasanlagen und Kompostentsorger sich an die 170kg N pro ha halten müssen. Jetzt müssen auch die Betriebe, die früher gegen Lieferschein ein paar Kubikmeter Gülle abgenommen haben, die viel aufwendigere Stoffstrombilanz für ihren gesamten Betrieb erstellen. Das heißt jeden Einkauf und Verkauf Nährstoffmäßig bewerten. Das kann bei komplexeren Betrieben, die nur geringe Mengen organische Nährstoffe aufgenommen haben dazu führen, dass Sie diesen Aufwand nichtmehr betreiben werden.

Für Sauenhalter wird es teuer

Wirklich unerwartete Änderungen sind aber trotzdem nicht gekommen. Dazu war der Diskussionsprozess zu lange. Viele Fakten wurden schon lange öffentlich erörtert. Es ist und bleibt aber bitter für den Sauenhalter der nun 20 Prozent mehr Fläche braucht und im gleichen Atemzug Stickstoff kaufen muss. In den Veredelungsregionen wird das schwer und teuer.


Wirklich interessant wird es aber erst, wenn die Toppings der Bundesländer öffentlich werden. Es wird zum Beispiel von ganzen Landkreisen gesprochen, die auf bis zu 120kg N pro ha aus organischen Quellen reduzieren wollen da sie komplett Grundwassersensibel seien. Wenn dann noch N aus Gärrest und Schweinegülle mit dem aus Kompost gleichgesetzt wird, ist das Erstaunen groß. Eigentlich ist die Obergrenze dafür gedacht um die Nachlieferung aus organisch gebundenen Stickstoff zu reduzieren. Bei den erst genannten Düngemitteln ist der Nährstoff größtenteils sofort verfügbar. Kompost, aber auch Festmist, hat jedoch eine überwiegende Langzeitwirkung, wodurch der Düngeeffekt über die Folgejahre unkalkulierbar ist. Dadurch ist das Risiko der Stickstoffauswaschungen immens. Es will hier aber niemand unterstellen, dass die kommunalen Betreiber der Kompostierungsanlagen ein Interesse an einer einfachen und kostengünstigen Entsorgung ihres Rohstoffes haben. Wahrscheinlich ist eher noch niemand darauf gekommen, dass Kompost ein Problem sein könnte.

Viehdichte und Nitrat im Grundwasser nicht immer korreliert

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Zum einen soll der Anbau von Leguminosen gefördert werden wodurch bei schlechter Witterung, auch mehr Restnitrat im Boden ist. Am besten auch noch den chemischen Pflanzenschutz verbieten und die Unkrautbekämpfung mit dem Grubber machen. Die gut gemeinten politischen Ziele haben oftmals unbedachte Auswirkungen, hier zum Beispiel auf das Grundwasser. Zudem stellt sich die Frage warum die Regionen mit erhöhter Viehhaltung nicht alle schlechte Grundwasserqualitäten haben. Die Karten der Viehdichte und der Grundwasserverunreinigung passen weder auf Bundes- noch auf regionaler Ebene übereinander. Diskussionen auf regionaler Ebene laufen leider sehr emotionsgeladen und oftmals mit wenig fachlichen Hintergrund. Ein Ergebnisoffener Meinungsaustausch uns Forschung ist dringend nötig. 


Ich möchte hier nun zum Schluss nicht noch zum Denunziantentum aufrufen. Uns ist aber allen bewusst, dass wenige schwarzen Schafe den Ruf des Berufsstandes ruinieren und die Bilanzen ganzer Wasserschutzgebiete verhageln können. Jeder muss sich an die Regeln halten, ohne Wenn und Aber. Wenn sich Kollegen einen finanziellen Vorteil durch unsachgemäßen Umgang mit Düngemitteln verschaffen, muss dies entsprechend geahndet werden.
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