Katja Bongardt über IT-trägen Nachwuchs

Enttäuschend

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Katja Bongardt über IT-trägen Nachwuchs

Alle ab Mitte 30 können wieder entspannen. Die Digital Natives, also Menschen, die das Internet quasi mit der Muttermilch aufgesaugt haben, sind gar nicht so toll. Eine Umfrage unter Agrarstudenten in Kiel brachte es ans Licht. 75 Prozent der befragten Erstsemester können mit allgemeinen IT-Begriffen wie ISOBUS oder GIS nichts anfangen. Bei Spezialitäten wie "365 Farmnet" hört es ganz auf. 80 Prozent haben das noch nie gehört. Das Einzige, was geht, ist GPS. Damit kann die Mehrheit des grünen Nachwuchses etwas anfangen.

Die Älteren haben also den Anschluss nicht verpasst. Das liegt daran, so scheint es, dass der agrarwissenschaftliche Digitalisierungszug noch gar nicht losgefahren ist. Mehr noch: Bei den Digital Immigrants (also die ohne Internet-Muttermilch) kommt angesichts des IT-trägen Nachwuchses schon fast ein Überlegenheitsgefühl auf - wenn es nicht so traurig wäre.

Die Digitalisierung wird als Retter der Landwirtschaft gefeiert: mehr Effizienz, weniger Betriebsmittel, steigendes Image. Aber welches Personal, fragt man sich vor dem Hintergrund solcher Umfragen, soll eigentlich das ganze Farming 4.0 stemmen? Also einerseits anwenden, andererseits sich klug ausdenken und weiterentwickeln?

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Wenn aber die landwirtschaftlich geprägten Schulen, Unis und Ausbildungsbetriebe nicht tunlichst das Thema besetzen und IT-Kompetenz herstellen, werden zunehmend andere Branchen dem Zug Dampf machen. Ob diese Lösungen dann immer im Sinne der Landwirtschaft ausfallen, steht auf einem anderen Blatt.
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