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Brigitte Stein zum Geburtstag von Rapool

Die weit verbreitete gelbe Rapsblüte ist zum Sinnbild des Frühsommers in der Landschaft geworden. Die Kultur ist aus der deutschen Landwirtschaft eigentlich nicht mehr wegzudenken. Kaum mehr vorstellbar, Raps zu den Sonderkulturen zu zählen! Aber genau das war vor 40 Jahren der Fall.

Lediglich 110.000 ha wurden damals in der Bundesrepublik mit Raps bestellt, weitere 123.000 ha in der DDR. Weil eine Regelung zur Förderung des Rapsanbaus, der Beimischungszwang von Rapsöl zu Margarine, entfallen sollte, schien das Aus für die Kultur nahe. Eine echte Notlage für die damaligen deutschen Rapszüchter, die gerade erst über eine Erucasäure freie Sorte verfügten, die sie in den Markt einführen wollten.

Doch Not macht bekanntlich erfinderisch: Rapszüchter, die eigentlich im Wettbewerb zueinander standen, gründeten vor 40 Jahren eine Art Notgemeinschaft, den Rapool-Ring. Diese Gesellschaft sollte eine vermeintlich große Vision verwirklichen: den Rapsanbau in Deutschland zu erhalten. Diese Aufgabe hat der Rapool-Ring mehr als erfüllt. Zu seinem 40. Geburtstag hat der Züchterzusammenschluss jeden Anstrich von Notgemeinschaft weit hinter sich gelassen. Die Anbaufläche hat sich bei knapp 1,5 Mio. ha eingependelt.

Getragen von Ideen und Phantasie haben die Rapszüchter die Kultur immer weiter verbessert: Nach den 0-Sorten kamen die 00-Sorten, dann die Hybriden. Zugleich legte Raps unter anderem im Ertrag, im Ölgehalt, in der N-Effizienz und damit in der Beliebtheit bei Landwirten und Abnehmern zu.

In einem mittlerweile attraktiven Markt bleiben die Züchterhäuser im Rapool-Ring nicht ohne Konkurrenz. Wettbewerb belebt die Branche, weil er am Züchtungsfortschritt teilhat und ihn weiter antreibt. So hat Rapool aktuell zwar nicht mehr die dominierende Rolle als Rapssaatgutanbieter von einst. Doch bietet der große Markt Platz für eine Reihe von Wettbewerbern, die sich gegenseitig zum Erfolg anspornen.

Anlass zur Sorge gibt nun aber, dass längst nicht mehr alle Wettbewerber ihre Züchtungsaktivitäten allein aus dem Saatgutgeschäft finanzieren müssen. Multinationale Unternehmen, die ihren Umsatz sowohl aus Saatgut als auch aus Pflanzenschutz generieren, operieren längst auf einem ganz anderen Niveau als die Mittelständler, selbst wenn man den Verbund zusammenrechnet. Damit gerät der Wettbewerb in Gefahr, aus dem Gleichgewicht zu geraten durch höchst unterschiedliche Möglichkeiten der Forschung.

Doch - man kann es nur wiederholen - Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Das gilt mit Sicherheit für solche Visionäre wie es Pflanzenzüchter sein müssen. Längst haben die Unternehmer im Rapool-Ring weiter gedacht und weitere Bündnispartner unter den Wettbewerbern gesucht, um die finanziell aufwendige Forschung zu stemmen. In der German Seed Alliance werden Laborkapazitäten gemeinsam genutzt. Damit sind sie nicht nur für mehrere Kulturen verfügbar sondern auch besser ausgelastet. Die Zusammenarbeit der Pflanzenzüchtungsspezialisten kann Wissen bündeln und die Phantasie beflügeln.

Auf solche vorwettbewerbliche Zusammenarbeit zwischen Züchtern setzt im übrigen nicht nur Rapool. Auch der Zusammenschluss von Züchtern in einer Gesellschaft ist ja keine Idee, mit der nur Rapool Erfolg erzielt. Aber zum Jubiläum darf das Geburtstagskind, das wesentlich zu den blühenden Rapsfeldern beiträgt, schon mal Blumen bekommen – und gute Wünsche mit auf den Weg in eine erfinderische Zukunft.
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