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Katja Bongardt zur DLG-Messe

Von romantisch bis realistisch spannt die DLG den Bogen auf ihrer Verbrauchermesse „Land & Genuss". Wer am vergangenen Wochenende in Halle 1 der Messe Frankfurt genau hinschaute, konnte die Vielseitigkeit der „Erlebniswelt" Landwirtschaft tatsächlich kompakt auf sich wirken lassen. Die Chance, gängige Landklischees abzubauen, hätte allerdings besser genutzt werden können. Auch fragte sich mancher Besucher, wo der Mehrwert im Vergleich zu einem üblichen (eintrittsfreien) Erzeugermarkt liegt.

Eigentlich war ja alles da, was die Landwirtschaft zu bieten hat: der Zeitungsstand des Überfliegers „Landlust" mit auf Hochglanz poliertem Idyll; allerlei Hütten mit regionalen Wurst-, Wein- und Honigprodukten; Bauernhofsvertreter, die zum Urlaub einladen, und Gärtner mit Pflanztipps für die Großstadt.

Stroh versus Spaltenboden

Draußen schließlich präsentierte sich die Landwirtschaft unter dem Stichwort Erzeugung. Und wenn der Besucher vor den nett im Stroh wühlenden Mastschweinen sich fragt, ob das zu Hause im Stall von Landwirt Alfred Quirin wohl auch so aussieht, braucht er nur ein paar Schritte weiterzugehen. Dort informieren freundliche, vor dem „Schweine Mobil" stehende DLG-Mitarbeiter über die in Deutschland gängigen Schweinehaltungsformen. Und das sind nun einmal Kunststoffrost und Spaltenboden.

War es das Ziel, dem Städter die Landwirtschaft näher zu bringen, so lässt sich feststellen: Auftrag erfüllt.

Lustige Brotgesichter der Landfrauen

Schade nur, dass das Konzept „Land & Genuss" nicht konsequent durchgehalten wird. So passt das leuchtende Gelb des ADAC-Standes ebenso wenig zum Thema „Land" wie die Präsenz eines Fensterbauers. Auch erschließt sich dem Besucher der Zusammenhang zwischen „Genuss" und den Grabpflegern, die unter dem Motto „Es lebe der Friedhof" ausstellen, nicht auf Anhieb.
Das Veranstaltungsprogramm ist ebenfalls ausbaufähig. Da fragt man sich schon, ob der Programmpunkt „Lustige Brotgesichter für Klein und Groß - Landfrauen bitten zu Tisch" dem Bild einer fortschrittlichen Landwirtschaft dienlich ist - oder nur bestehende Klischees der Städter bestätigt.

Die Idee, den Dialog zwischen Erzeugern und Verbrauchern für ein paar Tage in die Stadt zu holen, ist gut. Und wer beim regelrecht belagerten Wurststand von Maik Birkenbach („Der Pferdefleischskandal ist für mich die beste Werbung.") vorbeischaut, kann feststellen, dass Aussteller wohl auf ihre Kosten kommen. Wenn allerdings Besucher 10 Euro für die Messe zahlen (und in diesem zweiten Jahr sind rund 17.000 gekommen), erwarten sie beim „Land-Trip mitten in der Stadt" mehr als eine Gruppe fröhlicher Marktbeschicker. Die gibt es schließlich schon zuhauf in Frankfurt auf dem Erzeugermarkt an der Konstablerwache oder in der Kleinmarkthalle. Sogar ohne Eintritt.
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