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Peter Seeger zu Ausstiegen

Impulse für höhere Preise am Milch- und Schweinefleischmarkt sind momentan kaum erkennbar, der Verbrauchszuwachs bestenfalls verhalten. Eine deutliche Marktentlastung ist nur durch eine Produktionseinschränkung erreichbar. Dass alle Produzenten solidarisch Mastplätze leer stehen lassen, ist trotz entsprechender Appelle von BDM und Co. eher unrealistisch. Was tun in einer solchen Lage? Auch wenn es zynisch klingen mag: Wie schon in der Vergangenheit, wird sich der Markt nur durch den vollständigen Rückzug einzelner Betriebe aus der Produktion entspannen. Dabei darf nicht vergessen werden: Mit der passenden Exit-Strategie kann der Ausstieg aus der Tierhaltung durchaus ein Erfolg versprechender Schritt sein.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies soll nicht heißen, dass nur kleine Tierhaltungen ihre Ställe leerräumen. Auch größere Betriebe, an deren Standort ungünstige Produktionsbedingungen herrschen, überlegen in der aktuellen Marktlage, auszusteigen. Flächenknappheit, hohe Güllekosten, Investitionsstaus oder auch gesundheitliche und familiäre Probleme – die Gründe für die Aufgabe des Betriebs sind vielfältig. Oftmals ist die Nachfolge nicht gesichert, und die Aufgabe der Tierhaltung steht sowieso schon im Raum.

Klar ist: Das Thema Betriebsaufgabe beschäftigt die Branche. Fest steht aber auch, dass es in der Landwirtschaft in Deutschland nicht offensiv behandelt wird. Ich selbst habe nur wenige Veranstaltungen erlebt, in denen Aussteiger über ihre Beweggründe und Erfahrungen nach der Betriebsaufgabe berichtet haben. Dabei sind bestimmt interessante Lebensläufe dabei, die erst durch die Aufgabe der Tierhaltung oder des gesamten Hofes möglich wurden. Wer einen Betrieb anders als bisher oder gar nicht fortführt, ist nämlich nicht unbedingt ein schlechter Unternehmer. Sicher kennt jeder Tierhalter gute Geschäftspartner, die früher vielleicht auch jeden Tag im Stall gestanden haben. Mit der passenden Exit-Strategie kann die Betriebsaufgabe neue Perspektiven eröffnen.

In Dänemark ist es anders. Dort werden Aussteiger und ihre Exit-Strategien offen thematisiert. Betriebe werden dort nämlich durchaus öfter mal verkauft. Es kommt bei unseren nördlichen Nachbarn auch vor, dass der scheidende Betriebsleiter bei seinem Nachfolger in Lohn und Brot steht. Und dies mit einem guten Gefühl.

Aber warum in die Ferne schweifen? Auch hierzulande lassen sich ergänzende oder alternative Erwerbsquellen zur Tierhaltung finden. In stadtnahen Gebieten werden oftmals Gewerbeflächen oder Abstellmöglichkeiten von Privatleuten gesucht. Denn das moderne 90-Quadratmeter-Fertighaus hat keinen Keller und keinen Dachboden. Wer trotzdem Stauraum braucht, zahlt teilweise bis zu 100 € monatlich für eine etwas größere Garage. Dafür muss man schon erfolgreich Schweine mästen, um eine vergleichbare Wertschöpfung in Altgebäuden zu erwirtschaften.

Es muss aber nicht immer die tolle unternehmerische Leistung in der exklusiven Nische sein. Der feste Job in der Zuckerfabrik oder im Außendienst eines Futtermittelunternehmens kann für jeden Einzelnen und die Branche eine echte Bereicherung sein. Um jeden Abend mit Bauchschmerzen ins Bett zu gehen, ist das Leben zu kurz.
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