--

Brigitte Stein zur Diskussionskultur in der Pflanzenforschung

Das Land Sachsen-Anhalt ist stolz auf seine Qualitäten als Standort für die Pflanzenzüchtung und Pflanzenforschung. Das war unverkennbar beim Innoplanta-Forum in dieser Woche. Gastgebender Ort war das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben. Dorthin schickte das Land seine polizeilichen Schutztruppen. Sie sollten im Außengelände die befürchteten Demonstrantenströme abwehren, die aber letztlich nur ein versprengtes Häufchen blieben.

Drinnen lieferte die Landesregierung mit dem Grußwort der Wissenschafts- und Wirtschaftsministerin Prof. Birgitta Wolff den Pflanzenforschern wortgewaltige Unterstützung - mit einem gewissen Überraschungseffekt. Denn die Worte der Wissenschaftlerin im politischen Amt konnten durchaus auch als eine Art Standpauke für hitzige Redner im Saal verstanden werden.

Neben ihrer Unterstützung für moderne Forschung im Allgemeinen und die Pflanzenbiotechnologie im Besonderen äußerte die Ministerin ihre Wertschätzung für Gruppierungen, die Innovationen und gesellschaftliche Entwicklungen kritisch begleiten. Einen fairen Diskurs bei der Einführung neuer Technologien forderte sie ausdrücklich von Befürwortern wie Gegnern der Gentechnik.

Geradezu streng warnte Wolff davor, mit ethischen Argumenten die Debatte ins Ausweglose zu führen. Obwohl ihr der erste Teil der Veranstaltung entgangen war, hat sie damit den Nagel auf den Kopf getroffen: Denn nicht nur außen, vor den Toren des IPK, sondern auch in der Halle bestand immer wieder die Gefahr einer ideologischen Überhitzung der Debatte.

Dabei gehen wichtige Nuancen leicht verloren, an denen eine gemeinsame Weiterarbeit lohnen könnte. So sind es längst nicht mehr allein die üblichen Gentechnik-Gegner, die eine weltweite Monopolisierung im Saatgutgeschäft fürchten. Auch, dass Monokulturen als wenig nachhaltig gelten, ist längst kein Privileg mehr von Greenpeace und Co.

Ist der Fokus aber erst auf das Für und Wider der Gentechnik verengt, gerät aber noch weit mehr aus dem Blick: Moderne Pflanzenzüchtung verfügt dank intensiver Forschung mittlerweile über eine breite Palette moderner Technologien - neben der Gentechnik. Auch die Arbeit des IPK beschränkt sich keineswegs auf Gentechnik und wirkt weit über Sachsen-Anhalt hinaus. Das ist möglich durch die Unterstützung neugieriger Forscher, denen die kritische Disputation ihrer Ergebnisse selbstverständlich ist - nach fairen Regeln.
stats