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Horst Hermannsen zu den Forderungen des BDM

Im schönen Bayern, das Monate lang die kälteste Klimaerwärmung aller Zeiten erlebte, wird stets etwas Unterhaltsames geboten. So hat doch erst kürzlich Stefan Mann in Peißenberg auf einer Verbandsveranstaltung, ohne wenn und aber, einen höheren Milchpreis gefordert. Die Molkereien sollten den Bauern 50 Cent/ kg bezahlen, so sein Verlangen.

Wer Stefan Mann nicht kennt – und das dürften sehr viele sein – dem sei gesagt, er ist nicht nur Mitglied des Bundes Deutscher Milchviehalter, kurz BDM, er gehört auch noch dem Bundesvorstand dieser Organisation an und kommt aus Hessen. Außerdem ist er ganz offensichtlich Fachmann für Inflationsentwicklungen. Schließlich ist sein Verein unmittelbar nach Gründung im Jahre 2006 mit einer Forderung nach einem Milchpreis von 40 Cent/kg, etwas später mit 43 Cent/kg und nun eben mit 50 Cent/kg an die Öffentlichkeit gegangen. Die neuen Plakate sind bereits gedruckt, und die faire Plastikkuh darf weiterhin einen bestimmten Typ Landwirt stigmatisieren.

Wahlkampf treibt SPD zum BDM

Maßgebliche Politiker aus Parteien, die den Bauern eher nahe stehen, bleiben in normalen Zeiten den BDM-Veranstaltungen fern. So auch in Peißenberg. Auffallend ist jedoch die Präsens der SPD. Dies lässt sich mit den Sonderheiten eines Wahljahres erklären. Dabei sollten doch die Genossen wissen, dass in den Genen bayerischer Bauern nicht vorgesehen ist, rot zu wählen; auch nicht bei dem rührenden Häuflein des BDM. In der Realpolitik spielt der Verein indes keine Rolle. Vielleicht wissen das noch nicht alle Mitglieder.

Als Untote bezeichnet man fantastische Wesen, die bereits verstorben sind, jedoch als Wiedergänger zu den Lebenden zurückkehren. Als Nachlebende befinden sie sich in einem körperlich-seelischen Zustand zwischen Leben und Tod. Sie suchen in der Welt der Lebenden nach unerfüllten Forderungen, überbringen noch nicht empfangene Botschaften oder üben an den Lebenden Rache für eine nicht abgeglichene Schuld. Wer denkt bei dieser Erklärung aus Wikipedia nicht umgehend an den BDM? Gemäß der Erkenntnis: „Totgesagte leben länger“ macht dieser Bund Deutscher Märchenerzähler, trotz seiner Bedeutungslosigkeit, in diesen Tagen wieder Reden von sich. Oder anders ausgedrückt, die BDM-Funktionäre suchen in der Welt der Lebenden nach unerfüllten Forderungen. Dazu zählen Quoten, Produktionsverzicht, Mengensteuerung, staatliche Ordnungsinstrumente.

Ein bisschen Lärm zur Agrarministerkonferenz

Anlässlich der Agrarministerkonferenz in Berchtesgaden wird mit Traktoren ein wenig Lärm gemacht, und damit hat es sich dann auch. Der Feind des BDM heißt Wettbewerb. Aber warum so verzagt und ängstlich? Vielleicht werden die 50 Cent/kg, ganz unabhängig von irgendwelchen Verbandsforderungen, allein wegen positiver Marktentwicklungen erreicht. Die jeweiligen Produktionskosten können keinesfalls als Orientierung dienen. Zu viele Milcherzeuger verstehen nämlich ihr Handwerk einfach nicht und bleiben deshalb auf der Strecke. Nicht jeder, dessen Wiege zufällig in einem Bauernhof stand, ist ein guter Bauer. Und der Strukturwandel hat bekanntlich viele Gründe. Dass es zum Beispiel einer erschreckend hohen Zahl an Junglandwirten schwer fällt, eine Frau zu finden, darf niemanden verwundern, der weiß, wie falsch häufig deren Betriebe organisiert sind. Jede intelligente Frau ahnt, dass sie mit so einem Bauern einen 14- Stunden-Arbeitstag mit heiraten würde.

So werden die unfreiwilligen Zölibatisten, unabhängig von der Markt- und Preisentwicklung, den Strukturwandel zusätzlich in Schwung halten. Davon wiederum profitieren Könner, die ihre Chancen erkennen und wahrnehmen.
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