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Horst Hermannsen zum Deutschen Bauerntag

Feindbilder sind aus unserem Leben nicht wegzudenken. Ohne Feindbilder kommt weder die Politik, noch Lobbyorganisationen – was häufig das Gleiche ist – aus. Aus Anlass des Deutschen Bauerntages in Fürstenfeldbruck haben wieder einmal der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) den Deutschen Bauernverband (DBV) dafür gescholten, dass er seine Mitglieder nicht auffordert, wirtschaftlichen Suizid zu begehen.

Es ist aber auch allerhand, dass sich Landwirte des technisch-biologischen Fortschritts bedienen und Spitzenerträge in gefragter Qualität erzeugen. Und das auch noch in zunehmendem Umfang. Immerhin liegt der Produktionsfortschritt jährlich bei etwa drei Prozent. Bei gesättigten Märkten bedeutet dies Strukturwandel, zufällig fast genau in dieser Größenordnung. Das Unverzeihliche am früheren DBV-Präsidenten Gerd Sonnleitner war, und sein Nachfolger im Amt, Joachim, Rukwied, dürfte kein Deut besser sein, dass er marktwirtschaftliche Elemente in der Landwirtschaft zugelassen hat, statt sich mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit gegen international gültige Gesetze der Ökonomie zu stemmen. Viel schlimmer noch: Sonnleitner hat es versäumt, der Forderung „die Preise hoch, die Grenzen fest geschlossen“ Nachdruck zu verleihen. Aus Sicht von BDM und ABL halten nämlich finstere Mächte und dunkle Gestalten die Agrarmärkte im brutalen Würgegriff.

Selbstredend möchte auch der Deutsche Bauernverband Feinbilder nicht missen. Brüssel bot sich in Fürstenfeldbruck dafür einmal mehr an. Immerhin möchten die EU-Subventionsschleuderer künftig Gegenleistungen für die Milliarden sehen, die den Steuerzahlern zuvor abgepresst und den Landwirten, ohne Prüfung von Bedürftigkeit, aufs Konto geschaufelt werden. Der grüne Faden auf dem Bauerntag hieß bezeichnender Weise „Greening“. Sollten wirklich sieben Prozent der Ackerfläche „stillgelegt“ werden, dann wächst der Hunger in der Welt, so lautete kurz gefasst das einfältige DBV-Credo. Solche Platituden werden peinlich vermieden wenn es um die Produktion von Biogas und Biodiesel geht. Zur Erinnerung für die Bauernpräsidenten: Bis zum Jahr 2008 wurden sogar noch zehn Prozent der Fläche stillgelegt. Es waren schon damals wenig fruchtbare Böden, derer sich die Landwirte auf Kosten der Allgemeinheit entledigen durften.

Ein schlimmes Feindbild für die DBV-Granden ist noch die Bürokratie. Dem könnte man freilich rasch zu Leibe rücken. Wenn nämlich die Landwirtschaft, frank und frei, auf Subventionen verzichtet. Zwangsläufig würde sich der bürokratische Aufwand erheblich verringern; die Belastungen für die Steuerzahler gleich mit. Aber soweit möchte doch niemand gehen. Die Bauern sind der Bevölkerung lieb und teuer – genau in dieser Reihenfolge. Feindbilder wiederum dienen in besonderer Weise der Daseinsberechtigung von Verbänden und Organisationen sowie deren Repräsentanten. Schon deshalb sind sie unverzichtbar.
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