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Sarah Speicher-Utsch über den Trend zu teuren Lebensmitteln

Mittlerweile trifft der einst ironisch gemeinte Spitzname „Feinkost Albrecht“ für den Discounter Aldi voll ins Schwarze. Denn sichere Arbeitsplätze, steigende Löhne und niedrige Zinsen haben dazu geführt, dass Konsumenten deutlich mehr Geld für gute Lebensmittel ausgeben – und auch Aldi Süd und Co daraus Profit schlagen. Das geht aus der jüngsten Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervor.

Pünktlich zum Osterfest also, wenn der Lammbraten und ein guter Wein für die Liebsten auf den Tisch kommen, ist nun offiziell, dass die Deutschen gerne tiefer für gute Nahrungsmittel in die Tasche greifen. Doch schon vor dieser Meldung ist dem ein oder anderen, der günstig bei Aldi, Lidl und Konsorten einkauft, sicher nicht entgangen, dass es diesen Trend gibt.

Mittlerweile sind etliche Luxusprodukte wie Bio-Lachs, argentinisches Rinderfilet, Jakobsmuscheln oder Champagner dort zu finden. Ganz abgesehen von den zig hochwertigen Aldi-Süd-Magazinen mit Deko-Tipps zum Frühling, Rezepten zum Fest oder dem eigens für die kleinsten Kunden konzipierten Ratgeber „Ostern – einfach erklärt“ mit Bildchen, Rätseln und Bastelideen.

Und demnächst sogar eine Aldi-Süd-Kollektion der Designerin Jette Joop, die sich selbst mit den Worten „Aldi ist Kult“ zitieren lässt. Oder betont, dass es ihr mit der Kollektion um die „Demokratisierung guten Designs“ gehe und sich auf die „freche Herausforderung“ freue.

Zum Stichwort „frech“ dürften indes so manchem Erzeuger ganz andere wenig demokratische Aktionen zu Aldi und seinen Wettbewerbern einfallen. Allen voran natürlich der historisch niedrige Milchpreis, den die Discounter den Molkereien zahlen. Oder die paar Kröten fürs Kilo Schweinefilet, die Handelsriesen ihren Kunden abknöpfen. Hier ist von höheren Preisen für gute Qualität weit und breit nichts zu hören.

„Die Entwicklung bei den Molkereiprodukten ist im Grunde komplett preisgetrieben“, heißt es in der GfK-Studie. Die massive Überproduktion führe zu einem anhaltenden Verfall der Milchpreise und das wiederum zu den laufenden Umsatzverlusten. In der Gelben Linie werde diese Tendenz noch durch Preisaktionen des Handels verstärkt, so die Gfk.

Und: Vermutlich ist die Verhandlungsposition von Frau Joop auch schlicht eine bessere. Ihre Ware ist anders als Milch und Schweinefleisch weder in den rauen Mengen vorhanden, noch bleibt sie wegen des Importembargos Russlands auf ihren Produkten sitzen und gerät so in eine äußerst schwierige Verhandlungsposition mit den Aldi-Süd-Profieinkäufern.

Während der Spitzname „Feinkost Albrecht“ also voll ins Schwarze trifft, sieht es für viele Erzeuger ebenso düster aus. Denn vom Trend zu Luxus beim Essen profitiert nur der Handel. Landwirte haben mit ihrem Brot- und Buttergeschäft das Nachsehen.
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