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Horst Hermannsen zum Osterhasen

Der Osterhase teilt das Schicksal mit der griechischen Haushaltssanierung: Nur wenige glauben daran. Allerdings gibt es auch erhebliche Unterschiede. Im Gegensatz zu den Griechen steht nämlich der gemeine Feldhase, Lepus Capensis, auf der „Roten Liste“ und droht in unseren Breiten auszusterben.

Dabei wird der Hase von jeher als Fruchtbarkeitssymbol verehrt. Seine Frau, die Setzhäsin, bringt zwar häufig im Jahr Junge zur Welt, kümmert sich aber nicht weiter um den Nachwuchs. Kaum sind die Babys da, blickt sie schon wieder lasziv verlangend nach einem Rammler (so heißt der männliche Hase wirklich), und die lieben unschuldigen Kleinen müssen alleine zurechtkommen. Und weil sie zu Hause grob vernachlässigt werden, hauen die Sprösslinge ab. Deshalb nennt man sie Nestflüchter.

Da sie jedoch nie die Wärme und Geborgenheit einer intakten Familie erleben durften, werden sie – wen mag es wundern – zu schrulligen Einzelgängern, die sich mit rasch wechselnden Kurzbeziehungen ohne emotionale Bindung zufriedengeben. One-Night-Stands sind bei Hasen gewissermaßen an der Tagesordnung.

Aber zurück zu den süßen Kleinen: Leider finden die herzigen Häschen in ihrem Lebensraum hauptsächlich nur noch großflächig öde Maisfelder für subventionsverschlingende und umweltverschmutzende Biogasanlagen vor. In dieser bizarren, unwirtlichen Umgebung können sie sich vor ihren Fressfeinden - Bussard, Fuchs, Marder und inzwischen auch dem bösen Wolf - nicht verstecken. Die wenigen, die trotz aller Widrigkeiten überleben, sind blass, triefäugig, rachitisch und unfruchtbar, weil mangelernährt.

Keine Frage: Für die Feldhasen ist die Anpassung an moderne Zeiten eine Überforderung. Sie sagen sich, „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“, hoppeln in eine ungewisse Zukunft und der Mensch blickt ihnen ratlos hinter her.

Das heißt, nicht immer ganz ratlos, denn das arg verkürzt wirkende Balzverhalten von Lepus Capensis inspiriert so manchen Mann. Weshalb der Erfinder des 'Playboys', Hugh Hefner, seine Frauen ‚Bunnies‘ nennt. Da die Leser der agrarzeitung überwiegend dem sittlich soliden Teil der ländlichen Bevölkerung angehören, sei kurz erklärt: Der Playboy ist ein periodisches Druckwerk mit langer Geschichte, das man als Beilage in bäuerlichen Wochenblättern vergeblich sucht.

Beim Blättern im Playboy darf man sich nicht von Feministinnen überraschen lassen. Deshalb lesen Hasenfüße den Playboy unter Zuhilfenahme einer Taschenlampe lieber zu Hause unter der Bettdecke.
Aber wie das so ist, wenn Erotik mehr zum Vergnügen als fortpflanzungstechnisch betrieben wird, geht das zu Lasten der Population. Das ist bei Meister Lampe genauso wie beim Menschen. Deswegen gibt es in Deutschland kaum noch Fachkräfte und zu wenig Osterhasen.

Und weil auf die hiesigen Hasen kein Verlass mehr ist, sind die Eltern in unseren Tagen gut beraten, an Ostern die Eier selber im Garten zu verstecken. Sicher ist sicher.

Aber was heißt in diesem Falle schon sicher? Gerade bei bunt gefärbten Eiern sollten Hasen und Menschen genau hinsehen, da es sich hierbei oft um Eier aus Käfighaltung handelt. Der Grund: Gekochte und gefärbte Eier sind von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen, darauf weist gerade noch rechtzeitig der Deutsche Tierschutzbund hin.

Käfigeier getarnt als Ostereier! Gibt es vor dem Fest eigentlich noch ein perfideres Täuschungsmanöver?
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