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Daphne Huber-Wagner zur Agrarministerkonferenz

Im Märzen der Bauer, seine Traktoren einspannt. Nur geht es in diesen Tagen nicht auf das Feld, sondern in die Stadt Bad Homburg, wo die Agrarminister von Bund und Länder, während ihres Frühjahrstreffens agrarpolitische Weichen stellen. In diesem Jahr sind es die hessischen Kollegen, die stellvertretend für den landwirtschaftlichen Berufsstand, die Entscheidungsträger der deutschen Agrarpolitik, darauf aufmerksam machen, dass sie keine Maschinen sind, sondern Menschen, die täglich mit der Natur und mit Tieren arbeiten. „Kommen Sie mal mit in den Stall und schauen Sie dann selbst, was für einen Mist Sie produzieren“, lädt die Vertreterin der Landesbäuerinnen wortgewaltig die Politiker zum Mitmachen ein. Diese können das Treiben vom Foyer aus im 3. Stock zu jeder Pause aus der Vogelperspektive verfolgen. In langer Schlange reihen sich die Traktoren auf. Plakate, bunt bemalte Kühe, Strohballen und Fotos von Maispflanzen stehen auf dem Kurhausplatz. An den Ständen mischen sich Passanten und Kurgäste unter die Landwirte.

Die Demos verlaufen jeden Tag friedlich, daran ist den Landwirten auch sehr gelegen. Schließlich kamen in dieser Woche aus dem nahe gelegenen Frankfurt am Main schreckliche Bilder von den Protesten anlässlich der Eröffnung der Europäischen Zentralbank. Aber vom Gefühl her geht es den Landwirten mittlerweile genauso wie den friedlichen Protestlern, die sich gegen eine zunehmende Bankenmacht wehren.

Denn auch die Agrarpolitiker entfremden sich aus Sicht der Landwirte von der Praxis. Verordnungen, Formulare, Obergrenzen, so steht es auf einer Symbolmauer vor dem Hoteileingang geschrieben. Die da drinnen, wir da draußen. Kein Wunder, dass Priska Hinz, seit einem Jahr grüne Agrarministerin in Hessen, freundlich mit Beifall bedacht wird, wenn sie hoch auf dem Wagen, der als Bühne umgewandelt wurde, umringt von Bauernverbandsfunktionären mit klaren Worten zu den Landwirten aus dem Herzen spricht. Hinz lehnt Gentechnik ab und will sich für den Öko-Landbau einsetzen, das findet Gehör. Sie spricht von ätzender Bürokratie und verspricht, diese abzubauen. Wieder Beifall und man könnte meinen, sie ist auf der Bundesversammlung der Grünen, die sich die Agrarpolitik ja wieder auf die Fahnen geschrieben hat. Als Vorsitzende der AMK will sie mit allen sprechen, schallt es über den Platz. Da möchte sie einige ihrer manches Mal draufgängerischen grünen Ministerkollegen nicht ausnehmen. Das kommt an. Was die Bauernfunktionäre, die neben der studierten Erzieherin auf dem Podium stehen, von den Sympathiebekundungen ihrer Mitglieder für die grüne Politikerin halten, ist in etlichen Minen der Herren abzulesen. Hinz kommt an, wenn sie Düngeverordnung, Mindestlohn, Tierschutz und Greening nicht generell ablehnt, um den Landwirten zu gefallen. Sie verlangt, dass Hotspots der Gewässereinträge und Tatorte von Verstößen gegen den Tierschutz in den Fokus der Gesetzgebung kommen sollen und nicht auf Kosten aller Landwirte durch eine einheitliche Gesetzgebung. Ab morgen können sie wieder auf ihren Traktoren bei der Feldarbeit von jedem selbst zu ihrer Frühjahrsarbeit befragt werden.
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