Olaf Schultz

Geld und Liebe

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Olaf Schultz zum Euro-Segen bei Tönnies

"Ex unitate vires" - Einigkeit macht stark. Der aus dem Lateinischen entlehnte Leitspruch soll verdeutlichen, dass die Gemeinschaft stärker als der Einzelne ist. Im Falle des Schlachtkonzerns Tönnies muss hinzugefügt werden „finanziell" stark. Immerhin haben sich Investoren kürzlich förmlich darum gerissen, dem Fleischfabrikanten Geld zu leihen. Statt der geplanten 100 Mio. € sammelte Tönnies über ein Schuldscheindarlehen mit 350 Mio. € mehr als das Dreifache ein - ein erstaunliches Ergebnis. Einen wesentlichen Anteil an den weit geöffneten Taschen der Investoren - über deren Namen mit den Banken Stillschweigen vereinbart worden ist - dürfte die Einigung im jahrelang gehegten Familienzwist haben.

In der Vergangenheit hatte der Konzern aus Rheda-Wiedenbrück mit Eigentümerstreitigkeiten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Im April dieses Jahres kündigten Firmenchef Clemens Tönnies und sein Neffe Robert nach ihren juristischen Auseinandersetzungen schließlich an, die Zwietracht durch eine Umordnung der Unternehmensgruppe beizulegen. In einer neuen Holding führen sie künftig gleichberechtigt den Fleischriesen.

Die „beschlossene" Harmonie in Rheda-Wiedenbrück setzt Energie frei: Angeschlagene Konkurrenten im Inland werden übernommen. So haben die Kartellbehörden in der vorigen Woche etwa grünes Licht gegeben für die Übernahme von Teilen der insolventen bayerischen Lutz-Gruppe. Diesen Kurs der Expansion will der Konzern beibehalten und die etwa 30 Prozent Marktanteil hierzulande ausbauen. Denn der derzeit „sehr angespannte Markt" - wie ein Unternehmenssprecher es im Gespräch mit agrarzeitung.de formulierte - ist weiter in Bewegung. Der Blick der Konzernlenker richtet sich dabei auch über die Landesgrenzen hinweg. Da kommt die jüngste Finanzspritze - übrigens die erste dieser Art für Tönnies - zum richtigen Zeitpunkt.

Die Schuldscheine sollen dem Vernehmen nach über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren laufen. Ein „Schmankerl" obendrauf sind die zurzeit niedrigen Zinsen. Jedenfalls scheinen der eingeschlagene Weg und das Geschäftsmodell die Gläubiger zu überzeugen - und das dürfte für Tönnies die Hauptsache sein. Harmonie in der Familie ist unbezahlbar - oder eben doch.
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