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Stefanie Pionke zum Ausstieg der Deutschen Bank

In der Moraldebatte um so genannte Agrarspekulanten hat die Deutsche Bank so etwas wie die Rolle des Enfant Terrible eingenommen. Fast ein Jahr ist es nun her, dass Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen die Spekulation verteidigte und das Festhalten seines Hauses an Geschäften mit Fonds, die auf Agrar-Futures setzten, öffentlichkeitswirksam auf der Grünen Woche 2013 in Berlin betonte. Vor kurzem dann schwamm das Kreditinstitut mal wieder gegen den Strom bei diesem heiß diskutierten Thema: Die Bank gab bekannt, sich von der „guten Spekulation“, also der Absicherung von physischem Warengeschäft, zu trennen.

An der „bösen Spekulation“, dem Geschäft mit Finanzderivaten und Fonds oder anderen zusammengesetzten Produkten, die auf die Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen wetten, hält die Bank fest. Die Gründe sind rein wirtschaftlicher Natur: Der physische Handel mit Rohstoffen, darunter landwirtschaftliche Erzeugnisse, kann nicht mit hohen Renditen punkten. Wachsende regulatorische Vorgaben machen das Geschäftsfeld außerdem noch lästig. Da die Deutsche Bank laut eigenen Verlautbarungen wenig mit dem physischen Rohstoffhandel verdient zu haben scheint, ist die Entscheidung, diesen Bereich abzuwickeln, aus unternehmerischer Sicht nur konsequent.

Bemerkenswert ist hierbei, dass die Deutsche Bank damit den diametral entgegen gesetzten Weg zu anderen Kredithäusern geht, die in den vergangenen Monaten medienwirksam aus der Agrarspekulation ausgestiegen sind. Davon hielten zumindest einige an der „guten Spekulation“ fest und trennten sich von der „bösen“. Zwar wurden solche Schritte von den entsprechenden Banken, flankiert von lobenden Pressemitteilungen aus den Reihen der Nicht-Regierungsorganisationen, nach außen hin als moralische Läuterung verkauft. Doch dürften auch hier ökonomische Gründe den Ausschlag gegeben haben, sich von einem für sie wenig lukrativen Geschäftsfeld zu trennen, das zusätzlich noch mit einem Negativ-Image behaftet ist.

Glaubt man den Zahlen der Hilfsorganisation Oxfam, zählt die Deutsche Bank zu den weltweit größten Spielern auf dem Feld der Agrarspekulation. Für das Kreditinstitut hatte dies natürlich den Nebeneffekt, dass sie bei Bekanntgabe der Umorganisation ihres Rohstoffgeschäfts nicht die Karte des Verantwortungsbewusstseins für die weltweit Ärmsten spielen konnte, sondern sich auf trockene Fakten beschränken musste. Doch handfeste Gewinne scheinen den Verantwortlichen unter dem Strich lieber gewesen zu sein als ein kurzfristig positiver PR-Effekt.

Mal ganz abgesehen von den jüngsten Entwicklungen bei der Deutschen Bank kann man den Eindruck gewinnen, dass sich die ganze Spekulationsdebatte hierzulande im Kreis dreht – Verteidiger und Kritiker tauschen die immer gleichen Argumente aus. In einer kommunikativen Endlosschleife bewegt sich auch das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO). Die Hallenser wollten offenbar die vorweihnachtlich nachrichtenarme Zeit nutzen, um den Zeitungsredaktionen erneut ihre Studie unterzujubeln, welche die Agrarspekulanten als mutmaßliche Hungermacher entlastet. Damit wiederum reagiert das IAMO auf eine von Foodwatch in Auftrag gegebene Studie, die „erdrückende Belege“ für die Schädlichkeit von Agrarspekulationen findet. Auch bei Foodwatch-Chef Thilo Bode und seinen Mitarbeitern scheint die Schallplatte hängengeblieben zu sein.
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