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Olaf Schultz zur Agritechnica

Für alle, die rund um den Landtechnikmarkt auf dem Laufenden bleiben wollen, wird die Agritechnica auch in diesem Jahr „das Highlight" sei. Mehr als 2.700 Aussteller aus aller Welt fahren in Hannover im wahrsten Sinne des Wortes auf, was sie an Innovationen zu bieten haben - ein neuer Rekord für die Veranstalter. Reichlich bemessen soll auch die Zahl der Besucher sein, die in der kommenden Woche ihren Weg auf das Messegelände in Laatzen finden. Unter dem Strich also eine komfortable Symbiose, die einträgliche Geschäfte verspricht. Landwirte sind bekanntlich kühle Rechner. Deshalb dürfte nur der Anbieter das Rennen machen, der mit seinem Produkt hier überzeugt. Ein neues Softwaresystem „Made in Germany" - 365FarmNet - hat da sehr gute Chancen.

Keine Frage, die momentane Stimmung unter den Landtechnikanbietern ist hierzulande unvergleichlich gut. Und dafür gibt es Gründe. Innerhalb nur eines Jahrzehnts konnten die Hersteller ihren Branchenumsatz verdoppeln. Insbesondere Westeuropa mit seinen „Zugpferden" Frankreich und Deutschland sorgte für florierende Geschäfte. Aber auch der zum Teil enorme Nachholbedarf an leistungsfähigen Maschinen auf den Äckern Osteuropas - allen voran Russland - füllte die Auftragsbücher. Letztendlich ist die neue Höchstmarke von mehr als 8 Mrd. € Umsatzerlösen aus deutscher Produktion für das laufende Jahr Spiegelbild der überaus dynamischen Marktentwicklung.

Gemessen an diesen Superlativen stellt sich die Frage, ob das mittlerweile eingeschlagene Tempo mit Blick nach vorn durchzuhalten ist. „Nein", sagt allein der gesunde Menschenverstand. Wo soll neues Potenzial für Schlepper und Co angesichts des zurückliegenden Investitionsbooms allein in Deutschland herkommen? So erwartet dann auch Dr. Hermann Garbers, der Vorsitzende des Branchenverbandes VDMA Landtechnik in Frankfurt a.M., mit Blick auf 2014 eine Wachstumspause. „Pause" darf jedoch in einer so wettbewerbsintensiven Branche wie der Landmaschinenindustrie keinesfalls mit „Stillstand" gleichgesetzt werden. Denn Stillstand bedeutet, den Anschluss zu verlieren und der Konkurrenz das Zepter zu überlassen.

Es mag banal klingen, aber Landwirte greifen auf bestmögliche Technik und Technologien zurück, um damit ihr Geld zu verdienen. Genau hier setzt das Projekt „365FarmNet" an, das sein offizielles Debüt in Hannover haben wird. Das in seiner Konzeption herausragende Softwaresystem vernetzt bislang einzeln vermarktetes Spezial-Know-how aus unterschiedlichen Sektoren des Agribusiness. Gemeinsam im Boot sitzen Bayer, die Allianz, KWS, Amazone, Claas sowie die europäische Satelliten-Aufsichtsbehörde GSA. FarmNet versteht sich als „Wissensmanager" an 365 Tagen im Jahr und soll sich - so der Plan der Initiatoren - zukünftig über möglichst alle Betriebszweige des Agrarunternehmens erstrecken.

Die Ziele muten einerseits äußerst ehrgeizig an. Andererseits ist das Präsentieren von FarmNet auf der Agritechnica ein geschickter Schachzug, diese auch zu erreichen. Wo sonst, wenn nicht auf dem weltgrößten Branchentreff, kann ein möglicher Bedarf ausgelotet werden. Zudem bietet die Messe ideale Voraussetzungen, weitere Firmen für das Projekt zu begeistern.
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