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Horst Hermannsen zur Debatte um niedrige Fleischpreise

Es spielen sich in schöner Regelmäßigkeit skurrile Szenen ab, wenn Discounter des Lebensmitteleinzelhandels die Spielregeln der Marktwirtschaft befolgen. Da hat es doch erst kürzlich wieder einmal der Branchenprimus Aldi gewagt, gesunkene Einstandspreise für Fleisch und Wurst schnurstracks an seine Kunden weiterzugeben. Selbst die Konkurrenten Lidl&Co kritisierten in einem für die Branche ungewöhnlichen Schritt aus Tierschutzgründen die Preissenkungen bei Aldi, um sie sofort selbst umzusetzen. Zu allem Unglück greifen die Verbraucher bei den niedrigen Preisen auch noch beherzt zu.

Wahrlich eine Schweinerei, möchte da mancher sagen. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes mit noch geringem Wiedererkennungswert, zeigte sich von Berufs wegen verärgert. „Die Discounter werden ihrer Verantwortung innerhalb der Branche nicht gerecht“, grollte er mit drohendem Unterton. Flugs springt ihm der Deutsche Tierschutzbund bei: „Bei derart gedrückten Preisen bleibt dem Landwirt kein Geld, um in den Tierschutz zu investieren.“ Auweia, der Vorwurf sitzt! Bei dieser Gelegenheit wird auch gleich die „Bio-Sau“ als leuchtendes Vorbild durchs Dorf getrieben. Das macht sich immer gut, wenn es um das Reizthema „Billigfleisch“ geht.

Natürlich darf keineswegs die evangelische Kirche fehlen, die nicht müde wird, atemlos hinter dem jeweiligen Zeitgeist herzuhecheln. Ralf Meister, niedersächsischer Landesbischof meint denn auch: „Der Kampf der großen Discounter in Deutschland wird auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen.“ So eng möchte das Pfarrer Thomas Dietrich von der katholischen Landvolkbewegung der Erzdiözese Freiburg nicht sehen. Der Preiskampf wird sowohl auf dem Rücken der Landwirte als auch der Tiere ausgetragen was eine Schande ist, meint er.

Soviel geballtes Gutmenschentum, das sich selbstlos, vor allem aber verbal, um das Wohl von Bauer und Schwein müht, macht bescheiden und ein schlechtes Gewissen. „Ihr gewissenlosen Discounter, wann zieht ihr endlich die richtigen Schlüsse?“.

Wenn also künftig wieder einmal das heimische Angebot drängend reichlich ist, weil zum Beispiel der Export von Schweinefleisch aus seuchentechnischen Gründen nicht so läuft wie er laufen sollte und deshalb die Preise unter Druck geraten, dann weitet gefälligst eure Gewinnmargen aus. Ihr müsst dem Verbraucher das Gefühl vermitteln, dass ein teures Schnitzel von einem geliebten, glücklichen Schwein stammt, das sich gerne davon trennte. Ein billigerer Schweinsbraten wurde dagegen einer traurigen Sau abgepresst, deren Frage nach dem Sinn ihres Lebens bis zuletzt unbeantwortet blieb. Ihr müsst wissen, dass ein teuer angebotenes Stück Fleisch stets von besserer Qualität ist als ein billigeres. Dass es sich dabei häufig nur um unterschiedliche Verpackungen handelt ist zwar richtig, übersieht aber die Spitzfindigkeit von Psychologie.

Ich weiß, ich weiß, die Sache hat einen Haken. Kaufleute berücksichtigen die Wünsche ihrer Kunden. Und die lieben nun einmal den Wettbewerb und bevorzugen preiswerte Angebote. Ob ein Lebensmittel im Bio-Laden oder beim Discounter gekauft wird, ob es billig oder teuer erscheint, ist für sie nebensächlich. Es muss in jedem Fall qualitativ einwandfrei und gesundheitlich unbedenklich sein. Dies zu überwachen und zu garantieren, ist Aufgabe und Verantwortung des Staates. Der hat auch sicherzustellen, dass die Tiere nach Recht und Gesetz gehalten und behandelt werden. Bei dieser Einstellung haben es Ideologen natürlich schwer.

Übrigens: Die Kritik am Verhalten der Discounter kommt neben Organisationen und Verbänden die von Zeit zu Zeit ihre Daseinsberechtigung beweisen müssen, häufig von betuchten Vertretern der oberen Mittelschicht. Generell ist es aber so, dass Geringverdiener einen viel größeren Teil ihres Nettoeinkommens in den Konsum stecken müssen als Spitzenverdiener. Sie denken also anders und müssen zudem noch rechnen. Aber das nur nebenbei.
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