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Horst Hermannsen zur Rolle Rückwärts bei Biosprit

„Brüssel sieht Biosprit jetzt kritisch“, ist in diesen Tagen allenthalben zu hören. Es hat lange gedauert, bis hinlänglich bekannte Tatsachen zur Kenntnis genommen wurden. Andererseits wirkt Politik stets etwas bemitleidenswert, wenn sie sich mit dem Zeitgeist befasst. Besonders ungelenk zeigen sich konservative Politiker, die versuchen, Rote oder Grüne auf einer scheinbar ökologischen Schiene links zu überholen. Die Bauchlandung ist garantiert.

Parlamentarier sind in aller Regel nicht souverän ihrem Gewissen verantwortlich. Häufig sind sie Lobby gesteuert. Niemand weis dies besser als die Südzucker AG, Mannheim. Ihre berüchtigten parlamentarischen Abende, die in erster Linie der richtigen „Einnordung“ der Anwesenden dienen, sind legendär. Unternehmen wie Europas größter Zuckerproduzent sind auf willfährige Politiker angewiesen wie auf das tägliche Brot.

Das ist leicht zu erklären. Dem Konzern waren über Jahrzehnte hinweg die Regeln der Marktwirtschaft völlig fremd. Wettbewerb bei der Rohstoffbeschaffung oder am Zuckermarkt gibt es so gut wie nicht. Eine besondere Form sozialistischer Ordnungspolitik nennt sich bis heute „Zuckermarktordnung“. Seit Jahren ist bekannt, dass sie abgeschafft werden soll. Sie wird aber immer wieder durch ferngesteuerte Politiker verlängert, weil sich angeblich die Bauern und vor allem die Zuckerbranche erst auf die kommende Situation einstellen müssten.

Als sich der Konzern 1995 auf einen wirklichen Markt wagte und den Speiseeishersteller Schöller übernahm, kam es wie es kommen musste. Rote Zahlen in Millionenhöhe bestimmten die Bilanzen und Schöller wurde 2002 von Nestlé übernommen. Konzerne wie die Südzucker scheuen das Risiko und lieben die staatliche Subventionierung und politische Absicherung.

Deshalb passt ihre 100-prozentige Tochter CropEnergies AG hervorragend in die Unternehmensphilosophie. Eine Kraftstoffproduktion vom Acker, die weder auf Umwelt noch Klima Rücksicht nimmt, und die mit Gewalt, also durch Beimischungszwang, den Kunden aufgedrängt wird, schafft Sicherheit und Verlässlichkeit bei den hoch subventionierten Investitionen.

Und jetzt soll alles vorbei sein? Plötzlich wird erkannt, dass Düngen, Spritzen, Ernten, Transportieren und Verarbeiten zu einer negativen Klimabilanz führen. Der Aufschrei von Südzucker & Co ist längst zu hören. Die Protestbriefe sind formuliert. Phantasie muss hier kaum bemüht werden. Es geht – wie immer - um Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen sowie um den Verlust von Vertrauen. Schließlich wurden Milliardensummen in den vergangenen Jahren investiert. Politische Marionetten aus Deutschland sollen in Brüssel das Schlimmste verhindern.

Die Diskussion um Biosprit einschließlich Biodiesel ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Natürlich ist in unseren Breiten der Sprit vom Acker ein ökologischer und ökonomischer Unfug, der nicht zuletzt den Konflikt um die begrenzten Ackerflächen verschärft. Viel schlimmer ist allerdings die unsägliche Produktion von Biogas. Die damit verbundenen Probleme werden bislang schlicht ignoriert. Mehr als ein Drittel der Maisernte wird in Deutschland dank großzügiger Subventionierung in Gas umgewandelt. Die ökologischen Folgen sind unabsehbar und innerhalb der Landwirtschaft ist es zu einem Kampf um die Ackerfläche gekommen.

Die Bieterschlachten bei den Pachtpreisen gewinnen die staatlich gestützten Biogaserzeuger. Auf der Strecke bleiben Landwirte, die sich mit Ackerbau und Viehzucht an den Märkten behaupten müssen.
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