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Daphne Huber-Wagner zur Sommertour von Ilse Aigner

Das politische Berlin macht Ferien. Minister und Abgeordnete tanken fernab der Öffentlichkeit Kraft für neue Taten. Bundesagrarministerin Ilse Aigner läuft dagegen auf ihrer Sommertour durch Bayern beim Rummel um ihre Person zur Hochform auf. „Ganz narrisch vor Freud" ist sie nach eigenem Bekunden, als sie in dieser Woche in Frasdorf unter musikalischer Begleitung in das weiß-blau geschmückte Zelt einmarschiert. Es ist bis zum letzten Platz gefüllt.

Der Trachtenverein der oberbayerischen Gemeinde hat Aigner zum politischen Abend eingeladen. Das ist immer noch eine Ein-Parteien-Show. Nach Kinderreigen und herzlicher Begrüßung von Weggefährten aus den CSU-Ortbeiräten schreitet „unsere Ilse" beherzt zum Rednerpult. „Wenn sie so im Dialekt zu uns spricht, ist das ehrlich gemeint", frohlocken Einheimische und die Gamsbärte auf dem Filzhut wedeln kräftig mit. Aigner, die ebenfalls in Tracht auftritt, erzählt von ihrer „Riesenfreud im Herzen", die sie jedes Jahr überkomme, wenn sie beim Rundgang über die Internationale Grüne Woche in Berlin das heimische Dirndl tragen darf.

Überhaupt weiß die 47-jährige Ministerin in ihrer fast eineinhalbstündigen politischen Rede viele Geschichten aus der weit entfernten Hauptstadt Berlin zu berichten. So hat sie entgegen der Kritik von gottlosen Preußen einen Anbau ihres Ministeriums in der Wilhelmstraße zur Einweihung segnen lassen, so wie es eben in der Heimat Brauch ist.

Lobende Worte findet sie für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese mache einen Bombenjob, wogegen sich Aigner über die „drei Schlaumeier von der SPD" persönlich richtig ärgert. Kein Vergleich zu den Größen Edmund Stoiber und Theo Waigel, denen sie sich freundschaftlich sehr verbunden fühlt.

Als Aigner bei ihrem Lieblingsthema Landwirtschaft angekommen ist, kommen die Applaus-Wellen in immer kürzeren Abständen. „Von wem kommt die Maß und das Kesselfleisch, das vor Ihnen steht?", fragt die Rednerin und nimmt einen kräftigen Schluck aus dem Krug. Mit Nachdruck appelliert sie an die vielen Landwirte im Zelt, sich vor lauter Arbeit nicht zu verstecken, sondern die Hoftore für die Öffentlichkeit zu öffnen.

In den Verhandlungen um die künftige europäische Agrarpolitik nach 2013 nimmt sie EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos in die Pflicht. Wenn der keine Flächenstilllegung durch das Greening wolle, dann solle er sie auch verhindern, stellt Aigner klar und fühlt sich „konditionsmäßig saufit" für anstehende Nachtsitzungen in Brüssel.

Als „die Nummer eins in Berlin", bezeichnet Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller „unsere Ilse" und drückt damit die Sympathie aller CSU-Anhänger im Zelt aus. Und wer wird demnächst die „Nummer 1" in München? Schließlich stehen 2013 in Deutschland und in Bayern Bundestags- und Landtagswahlen an. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer will die Entscheidung für eine erneute Kandidatur zu „einem späteren Zeitpunkt" verkünden. Die Oberbayerin Aigner ist Vorsitzende im größten CSU-Bezirk und kennt sich jedenfalls im Politikzirkus bestens aus. 

Die Schlange um Autogramme und Erinnerungsfotos von der CSU-Frontfrau nimmt spät am Abend fast kein Ende. Als sie dann noch einmal die Bühne betritt, um „ganz narrisch vor Freud" den Tölzer Schützenmarsch zu dirigieren, sind auch die letzten Zweifler von den Führungsqualitäten „unsrer Ilse" überzeugt.
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