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Horst Hermannsen zu Klimawandel und Energiewende

Angela Merkel (CDU) nennt den Atomausstieg Deutschlands „unumkehrbar“. Damit weist sie Bedenkenträger, Kritiker und Zweifler in ihrem Kabinett und der eigenen Partei in die Schranken. So eine klare Aussage der Bundeskanzlerin zeigt Führungsstärke und Konsequenz. Sie ist mindestens so verlässlich wie ihre unmissverständliche Aussage vor 16 Monaten: „Die Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke ist alternativlos“. Die gleiche Qualität hatte ihre Beteuerung: „Ein Abschalten deutscher Kernkraftwerke unter Inkaufnahme von Kernenergie aus dem Ausland kann und darf nicht unsere Antwort sein“.

Genau das aber geschieht. In Tschechien, Frankreich, ja sogar im Südwesten Finnlands und in Osteuropa rüstet die Nuklearwirtschaft mit Hilfe deutscher Finanziers und Energieunternehmen auf. Der bevölkerungsreiche und energiehungrige Industriestandort Deutschland verspricht prächtige Renditen. Nicht nur für die Kernenergie, sondern auch und gerade für fossilen Energieträger wie Öl, Erdgas und Kohle.

Das wussten die rot/grünen Väter des Erneuerbare Energiengesetzes (EEG) Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Altaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) von Anfang an genau. Deshalb baute keiner der beiden nach dem Ausscheiden aus der Bundesregierung eine Biogasanlage oder engagierten sich bei einem Photovoltaik-Unternehmen. Vielmehr wurden sie hoch bezahlte Lobbyisten der Gasindustrie. Schröder beim russischen Konzern Gazprom. Fischer wiederum berät seinen ehemaligen Lieblingsfeind RWE aus Essen sowie den österreichischen Versorger OMV. Es geht um das Projekt Nabucco, eine Pipeline, die vom Kaspischen Meer über die Türkei Gas in die EU liefern soll. Vor allem Deutschland ist, wegen seiner „Energiewende“ künftig verstärkt auf Gas- aber auch auf Kohlekraftwerke angewiesen. Mit ihrem EEG konnten sich also die ehemaligen Spitzenpolitiker den Lebensabend vergolden.

Inzwischen verbietet Angela Merkel der Erde, sich um mehr als zwei Grad Celsius zu erwärmen. (Um welchen Zeitraum geht es dabei eigentlich?) Daran tut die Kanzlerin zunächst einmal gut; ob sich unser Planet daran hält, wird sich zeigen. Auch in den Staatskanzleien der Bundesländer wird der Eindruck erweckt, als gäbe es nur noch Umweltpolitiker, die nicht mit sich spaßen lassen und dem Klimawandel Einhalt gebieten. Zuvor haben sich die Politiker demografische Umfragen angesehen, um sich danach ihre Meinung zu bilden. Deshalb verkürzen sich die Halbwertzeiten von Regierungsprogrammen immer rascher.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sie tragen den anspruchsvollen akademischen Titel Dr. rer. nat. Sie sind also Dr. der Naturwissenschaften. Allerspätestens während Ihres Studiums der Physik müssten Sie in Erfahrung gebracht haben, dass beim Verbrennen von Braunkohle Öl, oder Gas Kohlendioxyd entsteht, bei dem der begründete Verdacht besteht, dass es zur Erderwärmung beiträgt. Übrigens: Schon heute stammen 40 Prozent des Stroms in Deutschland aus Kohlekraftwerken, Tendenz – dank EEG - steigend!

Die Veränderungen auf unserem Globus können aber auch positiv betrachtet werden. Schließlich hat unsere Spezies ihre Existenz dem Klimawandel vor undenklichen Zeiten zu verdanken. Hätte es ihn nicht gegeben, so säßen womöglich noch immer Saurier von so unschicklicher Größe in Berlin, dass es keinen Platz für Parteibuch bewährte Lobbyisten gäbe.

Andererseits: Bei soviel heißer Luft, die Politiker bei diesem Thema von sich geben, darf sich niemand über eine beschleunigte Klimaerwärmung wundern.
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