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Stefanie Pionke zur neuen Bio-Studie

Offensichtlich ist dem wahlkämpfenden Berlin der Stoff ausgegangen. Kein neues Pferdefleisch in Fertig-Lasagnen, keine weiteren Aflatoxin-Funde in Futtermais. Und auch die Aufregung um den Etikettenschwindel bei Hühnereiern hat sich längst gelegt. Was, scheinen sich die Strategen in der Bundespolitik gefragt zu haben, ist immer geeignet, um Punkte beim wählenden Volk zu sammeln? Na, der Bioanbau und das mit ihm verbundene Bild einer Heilen-Welt-Landwirtschaft. Das haben sich offenbar die Grünen gedacht und eine Studie zum Biomarkt in Auftrag gegeben.

Die Studie „Marktanteile im Segment Biolebensmitteln – Folgen und Folgerungen“, die am Institut für Organischen Landbau der Universität Bonn erstellt wurde, kommt zu einem wenig überraschenden Ergebnis: Zwar habe das Handelsvolumen mit Biolebensmitteln in Deutschland zugenommen. Aber nicht alle Ökolebensmittel werden auch in Deutschland erzeugt. Die Konsequenz: Der Hunger des deutschen Biokonsumenten wird auch mit – Oh Graus! – Importen gestillt. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast lässt sich prompt mit den markigen Worten „Billigschnitzel exportieren und hochwertige Biolebensmittel importieren, das ist das irrsinnige Ergebnis schwarz-gelber Agrarpolitik, die an den Interessen der Landwirte mehr und mehr vorbeigeht“ zitieren.

Dass tonnenweise Getreide und Ölsaaten, Eier, Fleisch, Obst und Gemüse innerhalb des EU-Binnenmarktes über die Landesgrenzen hinweg verschoben werden, ist zunächst einmal nichts anderes als schnöder Handelsalltag. Dass mit diesen Warenströmen auch Bioerzeugnisse bewegt werden, ist daher nicht weiter verwunderlich. Die plakativen Äußerungen der Fraktionschefin sind daher bloß heiße Luft im Wahlkampfgetöse.

Künasts Parteifreundin und Sprecherin für ländliche Entwicklung Cornelia Behm wirft der Bundesregierung zudem vor, das „besonderen Kundeninteresse“ nach regionalen Produkten zu ignorieren, indem der Öko-Landbau nicht ausreichend gefördert werde.

Nun kann man zunächst einmal festhalten, dass regional nicht notwendigerweise gleich bio ist. Bio bezieht sich auf Anbau- und Haltungsformen, die zwar eine bestimmte Art der Bewirtschaftung vorgeben, nicht aber, wo diese zu erfolgen hat. Darüber hinaus kann man sich die Frage stellen, ob die Forderung nach regionalen Produkten im Zeitalter der Globalisierung nicht auf reaktionäre Weise rückwärtsgewandt ist.

Wer Regionalität fordert, kann angesichts des globalen Lebensmittel- und Agrarrohstoffhandels schnell an Grenzen stoßen. Viele Regio- und Bio-Befürworter haben sicher auch das eine oder andere Mal Obst oder Gemüse gekauft, das zu den hiesigen saisonalen Bedingungen gar nicht in Deutschland hätte wachsen können. Etwa dann, wenn sie im Winter Tomaten aus dem Bio-Supermarktregal in den Einkaufswagen legen. Wie weit sind die Regio-Apostel bereit zu gehen? Steht die Pasta, die mithilfe von kanadischem Hartweizen produziert wurde, künftig auch nicht mehr auf dem Speiseplan?
 
Eine Annahme der Grünen dürfte aber stimmen: Mit einer ausreichenden Subventionierung lässt sich sicher auch die Ökolandwirtschaft hierzulande ausbauen. Das hätte dann aber wenig mit Marktwirtschaft zu tun. Denn die Nachfrage nach Biolebensmitteln mag zwar wachsen. Doch weiterhin handelt es sich hierbei um ein Nischensegment. Denn dem Gros der Verbraucher ist das Portemonnaie - oder in der Diktion der Grünen-Fraktionschefin das „Billigschnitzel“ - im Zweifelsfall näher als der Carbon- oder auch der Moral-Footprint.
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