Katja Bongardt über Krisenbewältigungs-Strategien

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Krisen über Krisen. Während in Deutschland die Milchmarktkrise wütet, hat Amerika eine andere schwierige Situation zu bewältigen. Das Land steckt in der Fettkrise. Das Problem ist zwar deutlich älter als der akute Verfall des Milchpreises bei deutschen Bauern, doch die Mittel zur Überwindung sind genauso absurd.

Fast zwei Drittel der Amerikaner sind übergewichtig, etwa 30 Prozent adipös. Das soll sich jetzt ändern. Und zwar mithilfe einer Steuer. Die „Soda Tax“ soll dicke Menschen dünner machen. Denn Ernährungsexperten haben zuckerhaltige Getränke als die Hauptursache für die amerikanische Fettkrise ausgemacht. Nach Berkeley ist Philadelphia die zweite US-Stadt, die eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke einführt. Ab Januar 2017 werden Softdrinks teurer. Halbliterflaschen – so viel beträgt der durchschnittliche tägliche Limonaden- und Colakonsum eines Amerikaners – kosten dann rund 35 Cent mehr.

Doch die Erfahrung lehrt, dass sich Heißhunger auf Süßes nur schwer zähmen lässt. Und mit Steuern schon einmal gar nicht. „Der Preis spielt kaum eine Rolle“, sagt beispielsweise der amerikanische Ernährungswissenschaftler Ketan Patel, der 2011 eine Studie zu Getränkepreisen und Fettleibigkeit erstellt hat.

Auch in Deutschland will man mit Steuern der Krise beikommen – nur umgekehrt. Nicht Steuern sollen erhoben, sondern Steuergelder sollen ausgegeben werden, um das Ungleichgewicht des Milchmarktes zu glätten. 100 Millionen € plus x hat Landwirtschaftsminister Christian Schmidt auf dem Zettel stehen. Das ist genauso absurd wie die Soda Tax. Denn eine Unterstützung von umgerechnet maximal etwa 0,5 Cent pro Liter Milch zerrieselt wie der berühmte Sand zwischen den Fingern.

Die Frage könnte doch eher so lauten: Wie lässt sich der Heißhunger auf Milch ankurbeln? Wer stellt ein kluges Marketing auf die Beine, sodass auch bei 35 Cent mehr pro Packung die Milch mit Freude in den Einkaufswagen gestellt wird? Wie gelingt es, die Wertschätzung für ein gutes landwirtschaftliches Produkt wieder herzustellen? Vielleicht ist die kürzlich auf dem Deutschen Raiffeisentag geäußerte Idee einer Absatzförderung (nach dem Modell der CMA, aber besser ein bisschen anders) gar nicht so verkehrt.
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