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Brigitte Stein zur Fruit Logistica

Wenn sich die internationale Fruchthandelsbranche in Berlin ihr Stelldichein gibt, dann geht es immer bunt zu. In den vergangenen Jahren standen die Zeichen kontinuierlich auf Wachstum. Die Branche sprühte vor Ideen und Innovationsfreude. Die Messe war Party pur. Das scheint in diesem Jahr ein wenig anders. Zwar hat die Zahl der Aussteller immerhin noch um neun zugelegt. Doch schon die Zahl der Herkunftsländer ist um sechs zurückgegangen. Und über die gebuchte Fläche macht die Messe Berlin keine Aussage: „Qualität zählt mehr als Quantität", heißt es dazu lapidar. Auch die Besucherprognosen sind bescheiden.

Nun könnte nach der Erfolgsgeschichte ja schlicht eine gewisse Sättigung erreicht sein. Doch gibt es ein paar kleine Hinweise, dass viele Entwicklungen weltweit dem Frischehandel die Stimmung eintrüben. So fehlte der Auftaktveranstaltung Frische-Forum offensichtlich ein Sponsor, der für die Kaffeepause Obsthäppchen bereitstellt. Die Messe Berlin selbst ist eingesprungen und hat den Größen des Obst- und Gemüsehandels Vitaminhäppchen präsentiert. Vor und auf dem Messegelände wurden ebenfalls ein wenig kleinere Brötchen gebacken - ein Gefühl wie wenn bei der Party die Musik ein wenig leiser gedreht wird.

In Gesprächen kam dann die Verunsicherung zum Ausdruck: Politische Umwälzungen und die Finanzkrise schweben wie dunkle Wolken über dem Geschehen. Ägypten mit seinen Ausstellern nennt das Thema beim Namen und versucht es so zu bannen: „Taste the Change", lautet die Einladung. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ist dem bei ihrem Rundgang gefolgt und hat das eine oder andere süße Häppchen verkostet.

Daneben bremst auch die Finanzkrise den Lauf der Geschäfte. Vielleicht nicht unbedingt im Abverkauf, mit Sicherheit aber fehlt es in der Produktion an Geld: Kredite für landwirtschaftliche Betriebsmittel sind schwer zu bekommen, während die Ansprüche steigen. Die Folgen werden sicher nicht ausbleiben. Die Dimension bleibt abzuwarten.

Nichtsdestotrotz: Im internationalen Kartoffelhandel wird auf Kontaktpflege weiterhin Wert gelegt. Zum Internationalen Berliner Kartoffelabend strömten mehr Besucher denn je. Denn für konstruktive Gespräche braucht es weder bunte Deko noch laute Musik.
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