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Dr. Jürgen Struck zum Ende der Sommerpause

Der Spätsommer beginnt, für viele die schönste Jahreszeit überhaupt. Neben den bereits spürbar abnehmenden Tageslängen sind dafür untrügliche Zeichen die zunehmenden Wortmeldungen der aus dem Urlaub zurückkehrenden Politiker.

Auf der Suche nach Problemen, zu deren Lösung sie gehört werden wollen, zeigen sie sich wieder offensiv. Der Agrarsektor nimmt darin in diesem Jahr wieder einmal eine besondere Stellung ein. Besonders die - seit Monaten -  hohen Preise für Agrarrohstoffe rufen einen vielfältigen Stimmenchor hervor. Die Verantwortung für die Welt wird bemüht. Neben den üblichen Schuldigen erhalten in diesem Jahr Biotreibstoffe und erneuerbare Energien erhöhte Aufmerksamkeit. Während ihrer Amtszeit als Bundeslandwirtschaftsministerin verkündete die heutige Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, landauf und landab, die Landwirte seien die Ölscheichs von morgen. Energie vom Acker, sei es in Form von Treibstoff oder Biogas, würde wesentlich zur Lösung der Probleme dieser Welt beitragen. Die zum damaligen Zeitpunkt erhobenen Einwände seriöser Wissenschaftler zur tatsächlichen Energieausbeute sowie die Befürchtungen um eine entstehende Flächenkonkurrenz wurden großzügig beiseite gewischt. Ganz nebenbei würde auch noch das Weltklima verbessert - und überhaupt. Das gestern Gesagte gilt nicht mehr. Jetzt müssen Lebensmittel wieder Vorrang haben und früher gewährte Subventionen abgebaut werden. Der Wähler soll es später honorieren, zum Beispiel zur Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013.

In Zusammenhang mit hohen Preisen für Agrarrohstoffe sollten sich auch die Tierhalter auf neue Offensiven einrichten. Neben Fragen zu Tierschutz und Tierwohl - vielleicht bald Tierglück - wird von interessierten Kreisen die Erzeugung von Fleisch, Milch und Eiern nämlich bereits wieder als die eigentliche Ursache der hohen Preise identifiziert. Die Diskussion um ethische Aspekte der Tierhaltung könnte wieder neue, zusätzliche Nahrung erhalten. Und "gute Ideen" für zusätzliche finanzielle Belastungen der Erzeuger und Verbraucher zur Verbesserung der Welt sind rasch formuliert - siehe oben.

Eine Offensive ganz anderer Art hat die Geflügelmarke "Wiesenhof" ergriffen. Zur Eröffnung der Bundesligasaison 2012/13 trägt der Fußballverein Werder Bremen ihr Logo. Hier und da, besonders in - die "political correctness" betonenden - Kreisen  wurde und musste der Schritt kritisch beurteilt werden. Doch bei den Fans zählt der Erfolg auf dem Fußballplatz. Bedenken, Tierrechtsorganisationen könnten die Fußballarena während eines Spiels als Bühne für Aktionen und ihre Botschaften nutzen, können ausgeräumt werden. Wer die Atmosphäre in einem Stadion während eines Fußballspiels erlebt hat, weiß, dass selbst extremistische Gegner der Marke derartige Aktionen besser nicht in Erwägung ziehen sollten. Aber das wissen diese auch selbst. Der Schritt von Wiesenhof wird jedenfalls mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Vielleicht finden sich sogar Nachahmer.
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