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Dr. Jürgen Struck zum AbL-Aufruf gegen TTIP

Na, das ist doch einmal etwas Positives - anerkennende Worte für den hohen Standard in der Tierhaltung in Deutschland. Sie stammen nicht etwa von der Lobby der konventionellen Agrarwirtschaft. Nein, sie stammen von einem der heftigsten Kritiker der intensiven Tierhaltung - der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Die AbL verwies kürzlich auf die hohen Standards in der Tierhaltung in Deutschland - wenn auch indirekt. Auch verknüpft sie mit diesem Lob eine ganz bestimmte Absicht.

TTIP - das umstrittene, zwischen der EU und den USA zu verhandelnde Freihandelsabkommen ist der Auslöser für das für viele Beobachter sicher überraschende Lob der AbL für die deutschen Schweinhalter.  
In ihrer Mitteilung wirbt die Vereinigung für eine klare Positionierung der deutschen Schweinehalterverbände gegen TTIP.

Als Begründung werden die in den USA im Vergleich zu Deutschland und Europa fehlenden Tierschutz- und  Nutztierhaltungsverordnungen sowie Verfahren zur Baugenehmigung für „Tierfabriken" in den Vereinigten Staaten angeführt. Ein Stallplatz für Mastschweine in den USA koste umgerechnet 140 Euro, in Deutschland dagegen 400 bis 600. Die Innentechnik in den US-Ställen sei „einfach und billig", so die AbL. Beschäftigt seien Billig-Arbeitskräfte aus Mexico. Die Gebäudehüllen in den USA sind einfach gedämmt und in milderen Regionen sogar seitlich offen (!), lautet die weitere Kritik. 

Als Folge der billigen Produktionsfaktoren sei nach Abschluss des TTIP daher mit großen Importmengen billigem US-Schweinefleisches in Europa zu rechnen, mutmaßt die AbL. Dies müsse in einer solidarischen Aktion aller Schweinehalter gegen TTIP verhindert werden.

Die AbL hat recht - zumindest mit ihren Hinweisen auf die unterschiedlichen Produktionsstandards und Tierschutzvorschriften, auch die daraus folgenden höheren Kosten für Schweinehalter in Deutschland treffen sicher zu. Dieser Vergleich mit den USA lässt sich jedoch auf nahezu alle anderen Länder und Regionen der Welt übertragen. Die Haltungsvorschriften in China, oder Russland, oder wo auch immer, werden in der überwiegenden Mehrheit nicht jenen Deutschlands entsprechen - sondern niedriger sein.

Daraus folgt, dass in Deutschland und anderen europäischen Ländern besonders im Nordwesten, offenbar die höchsten Standards der Welt gelten. Erweitern ließe sich diese Aussage auch auf andere strittige Themen wie beispielsweise den Einsatz von Antibiotika, der hierzulande sicher sehr gut erfasst und dokumentiert wird.

Nicht recht dagegen hat die AbL mit ihrer Sorge, dass im Fall des Inkrafttretens von TTIP Schweinefleisch aus den USA die europäischen Märkte überschwemmen wird. Im Gegenteil - Vertreter der deutschen Fleischwirtschaft sind sogar der Meinung, dass durch TTIP große Chancen für Schweinefleischexporte in die USA entstehen - nicht zuletzt wegen der höheren Qualitätsstandards hierzulande. 

Fassen wir also zusammen: In Deutschland - auch in Dänemark und den Niederlanden - gelten in der Haltung von Schweinen weltweit die höchsten Anforderungen an Produktionsbedingungen, Tierschutz und Dokumentation. Damit verbunden sind erhöhte Produktionskosten für die Erzeuger. Im Ergebnis können daraus Erzeugnisse geliefert werden, die von der Nachfragseite gestellte hohe Qualitätsstandards erfüllen. Eben diese Qualitätsstandards tragen zum Markterfolg, auch international, bei.

Das kann und muss einmal gesagt werden. Wenn die AbL dies auch so sieht, umso besser. TTIP dagegen ist eine ganz andere Baustelle...
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