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Sabine Hedewig-Mohr zur Studienvielfalt um Antibiotika

"Gesunde Schlachthähnchen enthalten antibiotikaresistente Bakterien." Dieses Ergebnis der Tierärztlichen Hochschule Hannover hat vergangene Woche die Öffentlichkeit aufgeschreckt. In der Bild-Zeitung stand prompt, man könne sich durch Verzehr solcher Hähnchen eine Resistenz gegen Antibiotika einfangen. So ein Unfug. Soweit zur Möglichkeit, sich "Bildung aus der Bild" zu holen!

Wenige Tage später fühlten sich die Wissenschaftler zu einer näheren Erläuterung veranlasst. Bei der wissenschaftlichen Studie sei es vor allem um die „molekularbiologische Charakterisierung und Typisierung von resistenten Enterobakterien“ gegangen. Sie stelle eine Momentaufnahme dar und es sei keine für Deutschland repräsentative Untersuchung. Mit normaler Küchenhygiene würden diese Bakterien abgetötet, egal ob antibiotikaresistent oder nicht. Soweit die Entwarnung. Was aber bleibt, ist eine Verunsicherung der Verbraucher, die auch den Tierhalter in seiner Arbeit beeinflusst.

Das Thema Antibiotika in der Tierhaltung beschäftigt die Branche nun schon seit einigen Jahren. Die Wissenschaft beschäftigt sich aber vor allem mit der Feststellung des Status Quo:  wie viel Antibiotika jedes Tier wann bekommt. So auch die Technische Hochschule, als sie vor wenigen Tage herausfand, dass ein Huhn statistisch gesehen durchschnittlich jeden vierten Tag eine Antibiotika-Pille verabreicht bekomme. Aber was bedeutet das konkret und welche Schlussfolgerungen sind daraus zu ziehen?

An etwas Ähnlichem arbeitet derzeit auch das Qualitätssicherungssystem QS. Im Rahmen des Antibiotika-Monitorings werden alle Teilnehmer verpflichtet aufzulisten, welche Anwendungen mit welchen Mitteln und wann erfolgt sind. Eine Bewertung dieser Erhebung ist immerhin geplant. 

Im Einzelfall ist die Sache einfacher zu beurteilen: Jedes Tier darf krank werden und soll dann - selbstverständlich - auch die entsprechende Medizin bekommen. "Soviel wie nötig und so wenig wie möglich" lautet hier die Regel. Aber das genügt den Verbrauchern und auch der Politik nicht mehr: Sie wollen klare Antworten.

Solange diese fehlen, muss sich niemand wundern, wenn die Verunsicherung der Verbraucher bleibt und wenn die Grünen und Bürger-Initiativen die intensive Tierhaltung kritisieren, gar stigmatisieren. Sie nennen sie Massentierhaltung, veröffentlichen Adressen, beeinflussen Politiker und einige militante Tierschützer schrecken sogar vor Einbrüchen im Hühnerstall nicht zurück, um sich Propagandamaterial zu verschaffen.

Um solchen Übergriffen Einhalt zu gebieten, braucht es mehr als Daten und Fakten. Studien, die den Status Quo abbilden, gibt es nun zu Hauf. Es wird Zeit für eine wissenschaftliche Bewertung: Werden wirklich zu viele Antibiotika verabreicht und warum? Was sind die Folgen? Es braucht Handlungsrichtlinien für die Politik, Behörden, die Veterinärmediziner und für den Landwirt. Nur wer hat den Mut?
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