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Stefanie Pionke zur USDA-Schätzung

Die Ernten sind in diesem Jahr groß. Ganz groß. Das haben wir mittlerweile alle verstanden. Entsprechend zäh ist das Marktgeschehen, darüber zu berichten bisweilen eine kreative Herausforderung. Ein wenig mehr Schwung würde dem Ganzen gut tun. Nur das US-Agrarministerium USDA scheint regelrecht in einen Bärenrausch verfallen zu sein. Den Schätzern aus Washington scheinen die Rekordernten und -vorräte immer noch nicht rekordverdächtig genug zu sein.

Darf’s noch ein bisschen mehr sein? Auf diese Frage, die man gemeinhin von der Metzgerstheke kennt, haben die Analysten des USDA wohl mit einem ganz lauten „Ja“ geantwortet. Ein bisschen mehr sein darf es bei den globalen Maisendbeständen. Die wachsen im Marktbericht „Wasde“ von November mal eben locker flockig um 24 Millionen Tonnen. 19 Millionen Tonnen Mais zaubert das USDA in China aus dem Hut. Denn in zwei Jahren zuvor hat die Volksrepublik weniger verfüttert als erwartet. Wie dem auch sei: Prognosen über die chinesische Versorgungsbilanz bleiben ein Fischen im Trüben. Und die Getreidemengen dort stehen dem Weltmarkt allenfalls auf dem Papier zur Verfügung.

Ein bisschen mehr sein darf es auch bei den EU-Weizenexporten. Die sollen in der laufenden Saison nun 33,5 Millionen Tonnen erreichen. Mag sein, dass das USDA damit die Stoßgebete mancher Landwirte und Händler erhört, die hartnäckig auf ihrer Ware sitzen und noch auf bessere Preise hoffen. Doch schaut man sich die Exportlizenzen in Europa an, erscheinen die Washingtoner in ihrer Annahme mindestens mal optimistisch, wenn nicht sogar realitätsfern. Die EU-Kommission jedenfalls setzt die Zielmarke 5 Millionen Tonnen niedriger an.

Angesichts der berauschenden Zahlen aus Übersee werden Erinnerungen wach. Noch frisch im Gedächtnis ist vielen Marktteilnehmern das Hochpreisjahr 2008. Damals hatte das USDA bei den Weizenvorräten kräftig danebengelegen. Mit dem feinen Unterschied, dass es seinerzeit „etwas weniger“ sein durfte und die globalen Weizenvorräte lange Zeit deutlich zu niedrig geschätzt wurden. Doch auf die Party folgte der Kater – und mit der Aufwärtskorrektur der Weizenbilanz der Sturzflug an der Börse.

Den hartnäckigen Bullen sei keine falsche Hoffnung gemacht. Dass sich die Geschichte in entgegengesetzter Richtung wiederholt, das USDA die Endbestände bei Weizen, Mais und Soja radikal kappt und damit eine Hausse auslöst, ist sehr unwahrscheinlich.

Deswegen empfiehlt es sich, es wie die internationalen Börsen nach Veröffentlichung des frischen Wasde zu halten: kurz durchschütteln, Achseln zucken und dann so tun, als sei nichts gewesen.
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