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Katja Bongardt über einen Schweinehalter im Bodybuilder-Shop

Bald ist wieder Silvester. Die Passage der Wünsche. Nicht mehr rauchen, gesünder leben, was für den Körper tun – drei Klassiker zum Jahreswechsel. Der Handel hält die Produkte bereit. Denn in der Regel kommt erst der Konsum und dann die Änderung der Gewohnheit. Gelegentlich wird der zweite Teil weggelassen. Auch für ambitionierte Körperoptimierer werden allerlei Produkte vorgehalten. Das Flanieren in der Kölner Innenstadt hat einen Schweinehalter vom Niederrhein letztens allerdings verstört. 


Zuerst dachte er an eine Futterküche oder die Auslage eines Hundefutterhändlers: Eiweiße und sonstige Nahrungsergänzungsmittel wurden säckeweise in 15 Kg-Gebinden angeboten, versprochen wurde "Muskelmasse". Das spricht auch den Tiermäster an. Die Aufschrift auf der neongrünen Dose „Arnold“, brachte den Durchblick: „Mit Iron Mass wirst du selbst zur Legende in deinem eigenen Fitnessstudio!“. Der Schweinehalter befand sich vor der Auslage eines Bodybuildershops. 


Was ihn nachdenklich machte, ist die verkehrte Welt. Ihn irritiert, dass seine Schweine als Allesfresser politisch korrekt ihre Getreide-Tofu-Mischung im Wohlfühlstall konsumieren müssen. Gleichzeitig scheinen sich Menschen mit hydrolysiertem Rindfleischeiweiß in Pulverform anscheinend ziemlich wohl zu fühlen, wo Sportmediziner dezent darauf hinweisen, dass ein Stück Fleisch in etwa den gleichen Effekt erzielen würde (Iron Mass ist übrigens für 120 €/kg zu haben. Das aber nur am Rande bemerkt). 


Wie lässt sich das jetzt auflösen? Bei den Schweinen wäre es einmal eine Überlegung wert, ob nicht die Zeit gekommen ist, die vegetarische Diät zu beenden und wieder tierisches Protein zuzulassen. Den Körperoptimierern kann man hingegen nur zurufen, dass es ein Gewinn ist, dem Pulver den Rücken zu kehren und mal wieder mit Messer und Gabel zu speisen. Weihnachten kommt bekanntermaßen vor Silvester. Das bietet dafür die beste Gelegenheit. 


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