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Thomas Fabry über Öffentlichkeitsarbeit

„Die Visitenkarte ist die kleinste Form der Öffentlichkeitsarbeit“, so schilderte es Thomas Ostendorf, Landwirt aus Ochtrup, in der vergangenen Woche auf dem rheinischen Schweinetag. Aber was hat der Betrieb davon? Wahrscheinlich erstmal gar nichts. 


Öffentlichkeitsarbeit ist keine einfache Mathematik. Wenn ein Betrieb hunderte Visitenkarten verteilt, bekommt er nicht gleich mehr Geld für seine abgelieferten Erzeugnisse. In diesem Jahr ist der Milchpreis unter die 20-Cent-Marke gefallen. Das hat die Milchwirtschaft in eine bedrohliche Lage gebracht. Viele Landwirte sind auf die Straße gegangen und haben demonstriert. In der Folge haben Medien, Politik, Verbände und NGO über die Milchkrise gesprochen. 


Auch das ist eine Form der Außendarstellung. Richtig. Und natürlich ist es gut, wenn die Landwirtschaft an Beachtung erfährt. Aber das ist die falsche Form der Beachtung. Immer nur zu Jammern schadet. Wir sollten nicht ständig die marktwirtschaftlichen Probleme kommunizieren. 


Wie wäre es denn einmal mit etwas mehr Kommunikation über die Arbeitsweise auf unseren Betrieben? Das würde helfen, das verloren gegangene Verständnis für die Landwirtschaft wieder zurückzugewinnen. Die Landwirtschaft steht bei weitem unter mehr, als nur unter marktwirtschaftlichen Zwängen. Immer mehr Organisationen sehen ihre Aufgabe darin, die Landwirtschaft strengstens auf den Umgang mit Tier und Natur zu überwachen - sowohl von Berufs wegen als auch ehrenamtlich. Die Kommunikationsleistung ist dabei manchmal unsäglich: Müttern werden ihre Kinder weggenommen steht für Milchviehhaltung, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Liste der schrägen Vorwürfe ist lang. Die Landwirtschaft ist in Zugzwang geraten. 


Wenn wir die Lizenz zum Produzieren behalten wollen, müssen wir bei weitem mehr betrachten, als nur den Lieferwagen, der unsere Hofauffahrt verlässt. Die Palette unserer Geschäftspartner reicht heute von Kommunalpolitikern, über Lehrer, Journalisten und Nichtregierungsorganisationen bis hin zu Anwohnern, die Straßenfahrt, Emissionen oder Geräuschkulissen bis spät in die Nacht tolerieren müssen. 


Wenn ein Landwirt hunderte Visitenkarten verteilt, dann nicht, um seine Abnehmer zu beeindrucken, sondern um all diese Anspruchsgruppen zum Dialog einzuladen. Ob auf einer Veranstaltung vor Ort, beim Smalltalk in der Apotheke oder beim Warten an der Supermarktkasse: Mit der kleinen Karte können Sie Ihrem Gegenüber mitteilen, wer Sie sind und wie man Sie erreicht. So schaffen Sie ein gutes Stück Transparenz. Nur wenn wir die Ansichten von Verbrauchern, Politik und NGO mit berücksichtigen, können wir uns zukunftsorientiert ausrichten und die Lizenz zum Produzieren behalten.
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