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Horst Hermannsen zum neuen DRV-Präsidenten

Vielleicht war doch nur der Wunsch Vater des Gedankens. Jedenfalls hofften Interessierte, dass der neue Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) ein „unbelasteter“ hauptamtlicher Fachmann wird. Henning Ehlers (58), der promovierte Agrarier und DRV-Hauptgeschäftsführer kennt den Verein wie kaum ein anderer. Er wäre eine Idealbesetzung für diese Position. Daraus wird nun aber nichts.


Am 22. Juni wird Franz Josef Holzenkamp (57) zum neuen Präsidenten des DRV gewählt. Dabei ist „gewählt“ wohl der falsche Begriff. Die Sache ist, wie beim Raiffeisenverband üblich, längst im Vorfeld entschieden. Ein weiterer Kandidat wird gar nicht erst aufgestellt. Nichts gegen die Person Holzenkamp. Aber diese Entscheidung ist kein großer Wurf. Wieder kommt ein parteipolitischer Strippenzieher in ein repräsentatives Amt, das schon in früheren Zeiten als Entsorgungsstelle für auslaufende Politiker galt. Wenn man diesen Posten hat, dann bleibt er einem. Ein Vorteil gegenüber dem Abgeordnetenleben, das regelmäßig von lästigen Wahlen gestört wird. Zwar kandidiert der CDU-Mann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für den Bundestag, doch seine Netzwerke bestehen weiterhin. Das mag von Vorteil sein, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der DRV auch als Lobbyverein agiert.

Ein wunder Punkt bei Holzenkamp ist freilich seine Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Agravis Raiffeisen AG. Damit tritt Holzenkamp also genau in die Fußstapfen seines Vorgängers Manfred Nüssel. Das CSU-Urgestein wurde 1999/2000 vom damaligen Baywa-Chef Wolfgang Deml zum ehrenamtlichen DRV-Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden der Baywa „gemacht“. Demls Erklärung gegenüber dem Chronisten war seiner Zeit verblüffend: „Nüssels politische Verbindungen sind für uns von Vorteil, unser Einfluss auf den DRV wird größer und als Aufsichtsrat stört er mich nicht“. An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert. Mit dem Amt des Aufsichtsrates geht allerdings die Neutralität und damit die Glaubwürdigkeit verloren. Schließlich hat ein Aufsichtsrat sich in erster Linie um das Wohl seines Unternehmens und die Zufriedenheit der Aktionäre zu kümmern. Schon deshalb fällt es schwer, als unvoreingenommener Interessensvertreter aller DRV-Mitglieder wahrgenommen zu werden.


Der DRV hat erhebliche Aufgaben zu bewältigen. Dabei ist seine finanzielle Ausstattung überschaubar. Ganz subtil nimmt der Einfluss einzelner Firmen bedenklich zu. Die genossenschaftlichen Molkereien entwickeln sich mehr und mehr zur Großbaustelle. Natürlich wird die eigentliche Arbeit vom Hauptamt verrichtet. Aber der Präsident ist das Gesicht und die Stimme nach außen. Es ist an der Zeit, dass er endlich wieder als unparteiischer in Erscheinung tritt.
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