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Horst Hermannsen zum Aufsichtsrat der Baywa

Der Baywa-Aufsichtsrat leistet sich eine Politikerin als Quotenfrau. Sie heißt Monika Hohlmeier, gehört natürlich der CSU an und ist die Tochter des legendären ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Sie wird für die Anteilseigner im Aufsichtsrat sitzen.

Gewählt wird sie auf der Baywa-Hauptversammlung am 4. Juni nur noch pro Forma. Die Vorarbeiten sind längst getan. Schließlich fürchtet dieses Gremium Überraschungen. Dennoch darf man sich bei der Personalie Hohlmeier die Augen reiben. „Mit diesem Vorschlag diskreditiert  der Aufsichtsrat sich selbst und zeigt eine erschreckende Schwäche in der Wahrnehmung seiner Aufgaben", heißt es denn auch im Gegenantrag eines Aktionärs, der den Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung nicht entlasten möchte. (keine Chance!) Überhaupt herrscht bei einigen Aktionären und Beobachtern - vorsichtig ausgedrückt - ein gewisses Unverständnis.

In Affären verwickelt

Warum ausgerecht die umstrittene Monika Hohlmeier? Sie war vor einigen Jahren nicht nur in eine Affäre um gefälschte Mitgliederlisten und Wahlmanipulationen im Münchner CSU-Bezirksverband, dem sie vorsaß, verwickelt. In einer Krisensitzung soll Hohlmeier nach Aussagen von Teilnehmern ihren Parteifreunden gedroht haben, wie kämen sie dazu, ihr Vowürfe zu machen, gegen jeden gäbe es was. Dabei legte sie einen Schnellhefter auf den Tisch. Als Sitzungsteilnehmer den Vorgang in die Öffentlichkeit brachten, dementierte Hohlmeier, aber entschuldigte sich bei den Betroffenen. Als schließlich bekannt wurde, dass im Münchner CSU-Ortsverband Mitglieder gekauft, Mitgliederlisten gefälscht und interne Wahlen manipuliert wurden, stritt sie ihr Mitwissen ab - und trat als Vorsitzende des Ortsverbandes der Münchner CSU zurück. Für den Leiter der Staatsanwaltschaft München, Christian Schmidt-Sommerfeld, stand freilich fest: Die Politikerin hat von Unregelmäßigkeiten bei der Wahlfälschungsaffäre Kenntnis gehabt.   

Auch ihre Amtsführung als Kultusministerin geriet  enorm unter Druck - etwa als sie eine Bildungseinrichtung finanziell begünstigte, bei der ihr Ehemann Michael Vizedirektor war. In die Schlagzeilen geriet sie, weil sie völlig ungeniert Ministerialbeamte für Parteidienste einspannte. Nach einem Wutausbruch des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber über ihre Amtsführung gab sie „freiwillig" ihr Amt als Kultusministerin auf.  

Wieder hoffähig in Bayern

Das politische Bayern wäre nicht das, was es seit Jahrzehnten ist, hätte man die Straußtochter nicht irgendwie mit einem Posten bedacht, möglichst weit weg! Nachdem sie im CSU-Kerngebiet München/Oberbayern untragbar war, musste alsbald das biedere Oberfranken herhalten. Über die Landesliste der CSU-Oberfranken wurde sie 2009 von Karl Theodor zu Guttenberg höchst selbst im EU-Parlament politisch entsorgt, wo Hohlmeier im Ausschuss Organisiertes Verbrechen, Korruption und Geldwäsche sitzt.

Zu ihrer Entschuldigung sei gesagt, Monika Hohlmeier war bereits mit sehr jungen Jahren in das System Strauß eingebunden. Hier fallen einem sofort Parallelen zu Manfred Nüssel auf. Nüssel ist Aufsichtsratsvorsitzender der Baywa, und, was er gelegentlich vergessen lässt, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). Von ihm wird behauptet, er habe seine früheste Kindheit in einer CSU-Krabbelgruppe in Oberfranken verbracht. Er kann also vermutlich gar nicht anders, als parteipolitische Ränkespiele zu inszenieren und dabei entsprechend die Strippen zu ziehen. Schließlich gehörte schon sein Vater dem Kabinett Strauß an. So etwas hinterlässt Spuren. Er ignoriert, womöglich ganz unbewusst, dass fragwürdige Politiker als Staffage in Aufsichtsräten, diese Gremien entwerten.

Ganz im Vertrauen, verehrter Herr Nüssel, der Versuch, Frau Hohlmeier über den Umweg der Baywa in München wieder hoffähig zu machen, ist keine gute Idee.   
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