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Sarah Speicher-Utsch zu den Enthüllungen bei KTG Agrar

Die Hinterlassenschaften von Siegfried Hofreiter haben nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die neuen KTG-Restrukturierer schockiert. Denn solch deutliche Worte wie auf der Pressekonferenz zum Start des Insolvenzverfahrens hören Journalisten nur selten – und wenn, dann höchstens hinter vorgehaltener Hand. Der Sachwalter und der neue Restrukturierungsvorstand der insolventen KTG Agrar haben in den vergangenen sechs Wochen die Bücher des Agrarkonzerns geprüft und Verhältnisse vorgefunden, für die vielen die Worte fehlen würden. Doch Stefan Denkhaus und Jan Ockelmann reden einfach Klartext. Das ist in der derzeitigen Situation auch die wirkungsvollste Strategie.


Vorstand Jan Ockelmann (l.) und Sachwalter Stefan Denkhaus reden zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens Klartext.
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Vorstand Jan Ockelmann (l.) und Sachwalter Stefan Denkhaus reden zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens Klartext.

„Die KTG Agrar ist ein undurchsichtiges Geflecht.“

Jetzt ist es offiziell. Mit allein knapp 90 vollkonsolidierten Tochtergesellschaften hat jeder Beobachter von außen den Überblick verloren. Aber auch von innen dürfte kaum jemand durchgeblickt haben, zeigt das folgende Zitat:

„Vieles ist aus dem Bauch heraus und von Siegfried Hofreiter entschieden worden. Viele Führungskräfte fangen nun erst an, das Entscheiden zu lernen.“

Heißt übersetzt wohl so viel: Alle haben den Siggi einfach machen lassen, nichts hinterfragt, nichts geändert. Warum? Sie wurden offenbar ganz gut fürs Stillhalten bezahlt, suggeriert der nächste Satz:

„Die Gehaltsstruktur hat ein zum Teil fantastisches Niveau erreicht.“

Zu beurteilen, was „fantastisch“ hier in Zahlen ausgedrückt bedeutet, bleibt jedem überlassen. Klar ist aber, dass viele der Leser dieses Blogs vermutlich von den tatsächlich gezahlten Gehältern höchstens träumen können. Ein Albtraum muss indes die Buchhaltung bei KTG Agrar gewesen sein, zeigt folgender Ausspruch:

„Es gibt Darlehen, für die uns bis heute keine Verträge vorliegen, sondern nur Buchungen.“

Woran das lag, dass niemand gemurrt hat, erklärt die nächste Feststellung:

„Die KTG-Gruppe verfügte über keine transparenten Finanzen und Controllingsysteme.“

Was der Albtraum eines jeden Buchprüfers ist, stellt für andere wiederum den Himmel auf Erden dar:

„2015 sind Kosten für einen Helikopter samt Pilot in Höhe von 1,5 Mio. € angefallen.“

Nein, der Helikopter hat kein Saatgut auf Agrarflächen der KTG Agrar ausgebracht, wie eine Journalistin auf der Pressekonferenz noch zur Ehrenrettung fragte. Der Pilot hat vielmehr Vorstand Siegfried Hofreiter von Termin zu Termin geflogen. Himmlisch ist auch das nächste Zitat:

„Es gibt Leasingverträge für Schlepper, die Männerherzen höher schlagen lassen, aber sicher nicht betriebsnotwendig waren.“

Dass trotz des ausgezeichneten Fuhrparks Ockelmann und Denkhaus zum Teil stark vernachlässigte Flächen vorgefunden haben, sodass der Ertrag aus der Ernte im Vergleich zu 2015 um 15 bis 20 Prozent schlechter ausfallen dürfte, zeigt:

„Hier ist so ziemlich alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann. Deshalb muss nun der Aufsichtsrat zur Rechenschaft gezogen werden, der bei diesen Machenschaften jahrelang mitgemacht oder zumindest nur zugesehen hat.“

Das allerdings ist ein Zitat der Autorin dieser Agrarspitze – nicht der KTG-Restrukturierer.
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