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Thomas Fabry über das Selbstverständnis der Bauern

Junge Stimme
Thomas Fabry, 23, stammt aus Balve im Sauerland und ist ausgebildeter Landwirt. Er hält 200 Sauen mit eigener Aufzucht. Er hat soeben in Osnabrück den Bachelor of Science in Landwirtschaft gemacht. Fabry ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des Portals "Tierhaltung modern und transparent" und postet auf Snapchat über seine Arbeit.
In loser Folge wird er als Berufsanfänger in der Agrarspitze das Geschehen in der Landwirtschaft kommentieren.

Diskussionen über Bauern verlaufen unvorhersagbar. Vor allem im lockeren Rahmen wie auf Festen stoße ich nicht immer auf Akzeptanz. „Landwirt, kann man das etwa studieren?“ Fragen, die zeigen, dass überhaupt kein Bezug zur Landwirtschaft mehr da ist.


Dazu passen die aktuellen Ereignisse in den Medien. Die Bilder aus dem Panorama-Report finde ich, wie jeder andere Tierhalter auch, erschreckend. Ich habe mich dazu entschlossen Landwirt zu werden, weil ich gerne mit Tier und Natur zusammenarbeite. Es ist weder im persönlichen, noch im wirtschaftlichen Interesse, wenn sich Schweine verletzen oder erkranken. Deshalb geben wir jeden Tag alles dafür, unsere Tiere gesund großzuziehen. Wer Tiere hält, muss aber auch damit rechnen, dass Krankheiten auftreten.

Bei mir waren die Weichen für die Landwirtschaft früh gestellt: Schon als Kind wurde ich mit dem Schlepper zum Kindergarten gefahren. Die Besonderheit als Landwirtskind in der Schule ist, dass man selber die Besonderheit in der Klasse ist. Dabei habe ich es immer als Ehre empfunden, als einziger über die Lebensmittelproduktion berichten zu können. 


In der Landwirtschaft ist kein Tag wie der andere. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Das wissen viele Landwirte nicht genug zu schätzen. Wir werden immer gebraucht und wir dürfen im Trüben der Diskussionen nicht den Blick darauf verlieren, tagtäglich einen wunderbaren Job ausüben zu können. Wenn ich auf einer Feier angepöbelt werde, rechtfertige ich mich nicht. Ich überzeuge. Das steckt mein Gegenüber an.
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