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Horst Hermannsen zur Solarförderung

Carsten König, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, sieht keinen Zusammenhang zwischen Solarförderung und gestiegenen Strompreisen. Hat jemand von dieser Seite etwas anderes erwartet? Tatsächlich ist die Photovoltaik beim jetzigen Stand der Technik ein großer ökonomischer und ökologischer Unfug. Allerdings ist sie im Gegensatz zu vielen anderen „Erneuerbaren Energien“ wenigsten teilweise berechenbar: Nachts liegt ihr Ertrag bei Null.

Weil die Photovoltaik maßlos gefördert wird, mit einer Umlage auf die Stromrechnung, die den Deutschen allein im vergangenen Jahr 7 Mrd. € kostete, erlebt sie einen atemberaubenden Boom, der in keinem Verhältnis zu ihrer energetischen Bedeutung steht. Rund die Hälfte der Förderung aus der EEG-Umlage subventioniert die Photovoltaik, die gerade mal zu drei Prozent an der Stromerzeugung beteiligt ist. Die Solarbranche hat eine schlagkräftige Lobby, die ihre wirtschaftlichen Interessen ähnlich aggressiv durchsetzt wie die Atom- oder Pharmaindustrie. Das nützt ihr inzwischen aber wenig, da das EEG vor allem die Solarmodulhersteller in Fernost fördert. Deshalb schlittern deutsche Unternehmen, die vor Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen, in die Insolvenz.

Der Aufschrei der Lobby gesteuerten Politik ist herzzerreißend laut. China subventioniere seine Modulhersteller und könne deshalb viel preiswerter sein als deutsche Firmen, so lautet ein Vorwurf. Arbeitsplätze sind in Gefahr. Das zieht in einer hoch technisierten Gesellschaft, die verzweifelt eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme nach der anderen kreiert, immer. Bekanntlich ging auch Sisyphos in der griechischen Mythologie einer völlig sinnlosen Arbeit nach, aber er hatte Vollbeschäftigung. Der Vorwurf, China arbeitet im Solargeschäft mit unlauteren Methoden, gipfelt in der Forderung nach Strafzöllen auf Modulimporten. Welch eine verdrehte Anschauung.

In Deutschland müssen die in politische Geiselhaft genommenen Stromverbraucher schon seit Jahren die Modulhersteller subventionieren. Diese besondere Form der sozialistischen Ordnungspolitik hat clevere Unternehmer in kurzer Zeit zu Milliardären gemacht. Im Osten Deutschlands wurde damit Strukturpolitik ersetzt. Andererseits können 600 000 Haushalte im Lande ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen. Die Umverteilung von unten nach oben ist in vollem Gange. Habenichtse werden gezwungen, Modulhersteller und die gut situierten Besitzer von Häusern, Ställen und Scheunen zu finanzieren. Es kommt gar nicht darauf an, wie die Dächer ausgerichtet sind; die Förderung ist so hoch, dass praktisch jede Himmelsrichtung und Neigung Gewinn bringt.

Sonnenstrom ist eine Technik, die das Gutmenschen-Klischee anspricht und ein reines Gewissen macht. Dabei wird verschwiegen, dass die Photovoltaik zu den größten Umweltverschmutzern zählt. Wenn nämlich durch das EEG der Ausstoß von Kohlendioxid sinkt, dann steigt das Angebot an verkäuflichen Emissionsrechten. Veraltete Dreckschleudern wie Braunkohlekraftwerke im In- und Ausland kaufen sie billig ein und verzichten auf den Einbau teurer Filteranlagen. Überhaupt werden in erster Linie Kohlekraftwerke, gefolgt von Erdgaslieferungen aus fernen Regionen und Atomkraftwerke bei unseren europäischen Nachbarn verstärkt benötigt. Somit ist also nur mit der Rolle rückwärts die Illusion einer segensreichen Energiewende in Deutschland aufrechtzuerhalten.
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