Markttransparenz

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Horst Hermannsen zu Hauspreisen der Schlachtereien

Es ist aber auch ärgerlich, wenn sich maßgebliche Schlachtereien in Deutschland nicht ohne Murren und zaudern den Wünschen der Mäster beugen. Dabei ist doch der Markt für Schlachtschweine seit 1998 ziemlich einfach gestrickt. Zumindest theoretisch. 


Der vereinigungspreis hat nichts mit realen Marktverhältnissen zu tun

Was zunächst nur für Norddeutschland Gültigkeit haben sollte, beansprucht heute die preisliche Lufthoheit für ganz Deutschland, ja sogar für weite Teile der EU. Die Preisempfehlung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) soll die Orientierungsgröße für alle Beteiligten sein. Deshalb spricht man auch von „Vereinigungspreis“, von „VEZG-Notierung“, gar von „Leitnotierung“. Eine einfache Sache also. Und doch kommt immer wieder Kritik auf an diesem Instrument scheinbarer Markttransparenz. Warum? Ganz einfach: Die Angelegenheit hat nichts oder nur wenig mit den realen Marktverhältnissen zu tun. Notierungen sind im Allgemeinen das Ergebnis eines „Freihandels“. Das heißt, die Preise bilden sich im Zuge des aktuellen, realen Geschäftes. Die „Notierungen“ der Erzeugergemeinschaften sind indes Wunschpreise, die man sich für künftiges Handeln - nämlich jeweils erst in der kommenden Woche - erhofft. Das ist durchaus legitim, zumal diese besondere Art der Preisabsprachen vom Gesetzgeber zugelassen wird. Sie sind ein Privileg für Mäster jeder Größenordnung, von dem andere Wirtschaftsbereiche nur träumen können. 

Schlachtereien müssen dagegen halten

Weil das Unerwünschte aber nicht immer das „Falsche“ ist, ist das Erwünschte deshalb auch nicht immer das „Richtige“. Mit anderen Worten: Die Vorstellungen der Erzeugergemeinschaften können keine Marktgesetze aushebeln. Wenn die Wünsche der Bauern nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen, müssen die Schlachtereien, schon aus Selbsterhaltungstrieb, dagegen halten. So kommt es immer wieder zu meist niedrigeren Hauspreisen. Sie sind das sichtbare Zeichen einer funktionierenden Marktwirtschaft. Wenn, wie das gegenwärtig der Fall ist, der Drittland-Export unter einem hohen Euro-Kurs und einer schwächelnden Fleischnachfrage Chinas leidet, dann können die Wünsche der Mäster nicht immer voll berücksichtigt werden. Zumal die Fleischproduktion in den vergangenen Jahren stark ausgedehnt wurde Das sehen die Funktionäre der Erzeugergemeinschaften natürlich ganz anders. Sie argwöhnen Willkür und Marktmacht der Schlachter und Zerleger. Sie sehen eine Synchronisation der Branche wenn es um Hauspreise geht, und das weckt ihren Unmut.

Langfristige Verträge können teuer werden

Dabei denken die wackeren Verfechter bäuerlicher Interessen vermutlich auch an Erzeugergemeinschaften, die sich verpflichtet haben, ihren Mitglieder den VEZG-Preis in jedem Fall zu zahlen, auch wenn Hauspreise deutlich darunter liegen. Diese EZGs befinden sich in einer ganz ähnlichen Situation, wie Schlachtereien, die langfristige Lieferträge zu Festpreisen mit ihren Abnehmern eingegangen sind. Vielleicht finden die Mäster dennoch einen Trost im gelegentlichen Verhalten der Schlachtereien. Denn würden diese keine Hauspreise nennen, dann wären die Funktionäre der Erzeugergemeinschaften mit ihren Preisempfehlungen wohl nie bis an die obere Schmerzgrenze gegangen.
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