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Lea Meister über die Angst vor Milch

Ein Glas Milch hat auf den ersten Blick nichts Verdächtiges an sich. Wasser mit ein paar Fettmolekülen, Proteinen, Phosphor, Kalzium. Und doch löst das Nahrungsmittel bei einer bestimmten Klientel zunehmend Panik aus.


Während die einen alles dransetzen, an Milch zu kommen, und sogar in der arabischen Wüste – nicht unbedingt der bevorzugte Lebensraum der Kuh - riesige Milchfarmen entstehen, lassen sich woanders gegenläufige Tendenzen entdecken. Insbesondere in den Medien gibt es zunehmend Diskussionen über die Schädlichkeit von Milch. Von der Apotheken-Umschau über die Welt bis zu Spiegel Online wird die Frage nach gesund oder ungesund gestellt. 


Das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Noch schlimmer sind Foren ernährungsbewusster Menschen, die Milch auf Teufel komm' raus diskreditieren. Da ist die Rede von "persönlichkeitsspaltenden Aminosäuren", "süchtig machende Inhaltsstoffen" oder von Kalzium, das nicht den Knochen auf-, sondern im Gegenteil dessen Substanz abbaut. 

Lea Meister stammt aus dem Odenwald und studiert Agrarwissenschaften in Gießen. Sie hat in der Redaktion der agrarzeitung ein dreimonatiges Praktikum absolviert. 
Das ist doch alles sehr merkwürdig. Wie kam die Milch nur in den Fokus solcher Diskussionen? Zufall kann das nicht sein. Mein Verdacht ist, dass die Moraldiskussion, die bisher dem Fleisch vorbehalten war, hier eine Erweiterung erfährt. Die Welle schwappt vom Tier auf tierische Produkte über.


Das Argument der Laktoseintoleranz ist verständlich und nicht zu verharmlosen. Bekannt ist aber, dass inzwischen viel mehr Menschen aus Verunsicherung auf Milch verzichten als aus tatsächlicher gesundheitlicher Notwendigkeit. Dass sich Hersteller inzwischen dazu verpflichtet fühlen, auf ihren Internetseiten Gerüchte über das "Teufelszeug" Milch zu widerlegen, ist bemerkenswert, so beispielsweise die Marburger Traditions Molkerei, die betont, dass Milch nachweislich sehr gesund sei und eine wichtige Rolle in der Ernährung von Jung und Alt spiele. Ausrufezeichen.


Mein Rat an all die selbsternannten Milchexperten lautet: Weniger Emotion, weniger absurde Behauptungen. Lieber einmal sich selbst auf einem Milchbetrieb umschauen, sich eine Kuh angucken und sich dann selber ein Urteil bilden.
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