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Horst Hermannsen zu Landwirtschaft und Medien

Bauern wird es nicht leicht gemacht; vor allem nicht von den Medien. So sieht es die Landwirtschaft und erhebt folgenden Vorwurf: Ihre Arbeit wird verkürzt und falsch dargestellt. Das schadet dem Image. Mit Image verbindet man die Hoffnung, dass jemand so über einen denkt, wie man selber gerne wäre.

In Publikumsmedien sehen sich die Bauern mit fortschreitender Modernisierung ihrer Arbeitswelt einer Dauerkritik ausgesetzt. Es wird der Eindruck erweckt, als müsse jeder Stall ein Streichelzoo, jeder Acker eine Bienenweide sein. Schon 2009 verorteten sich laut einer Allensbach Studie 72 Prozent aller Journalisten politisch bei Rot oder Grün. Nicht wenige sind als Ökos angetreten, die Welt zu verbessern. Der Mensch soll mit Hilfe der Medien zu einem besseren Leben erzogen werden. Müsli und Jutetaschen sind dabei die Waffen der Wahl. Kritiker sprechen von einem „Nanny-Journalismus“, von einer Form betreuter Berichterstattung, als wären die Leser Kleinkinder.

Da hat Skepsis gegenüber sich selbst, die wichtigste Eigenschaft des Journalisten, keinen Platz. So bleibt häufig die Qualität der Arbeit auf der Strecke. Die Arbeitsbedingungen in den Medien haben sich dramatisch verändert. Zeitungen sterben, Fachredaktionen gibt es immer weniger. Die Kollegen kümmern sich heute um eine Theaterpremiere und morgen um die Agrarwende. So mutiert Journalismus zu Recycling des Halbwissens.

Ist ihnen schon einmal aufgefallen wie wenig gut recherchierte Berichte oder Dokumentationen über landwirtschaftliche Themen in der Tagespresse zu finden sind? Dafür gibt es im Übermaß Meinungen und eigene subjektive Eindrücke von Betroffenheitsjournalisten, denen jegliche Distanz zu den Ereignissen fehlt. Fehlentwicklungen der modernen Landwirtschaft sollen, ja müssen sogar angeprangert werden. Überzeugende Kritik fußt aber nicht auf ideologischem Fundament, sondern auf Sachkunde. Journalismus ist Benennung von Fakten unter Verzicht – außer bei Kommentaren – auf persönliche Färbungen.

Und wie sieht es mit der bäuerlichen Fachpresse aus? Anders, aber keineswegs besser! Die Landwirtschaft wird seit alters her von organisationsgebundenen Blättern begleitet und gesteuert. Fachlich sind die Publikationen meist nicht zu beanstanden. Wer freilich etwas über die Käuflichkeit von Funktionären in Verbänden und Politik erfahren möchte, sucht hier vergeblich. Deshalb gibt es bei den Bauern wenig Kenntnis über die Einnahmequellen ihrer Lobbyisten, die reichlich bestückt sind mit lukrativen Posten der agrarnahen Banken, Verlagen, der Industrie und des Handels.
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