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Horst Hermannsen zur DBV-Kampagne

Der Deutschen Bauernverband (DBV) wird nicht müde, die außerlandwirtschaftliche Nutzung von Agrarflächen anzuprangern. Kürzlich überreichte der scheidende Chef-Lobbyist Gerd Sonnleitner im Bundestag eine Liste mit 212.000 Unterschriften, die sein Verband bei der Kampagne „Stoppt Landfraß“ sammeln konnte. Vor dem Petitionsausschuss forderte Sonnleitner eine gesetzliche Verankerung des Schutzes von landwirtschaftlichen Flächen. Sicherheitshalber wurde auch gleich noch eine entsprechende Protestaktion zum Ende der vergangenen Woche sorgfältig geplant. „Gut gebrüllt Löwe“, möchte man bei so viel leidenschaftlichem Aktionismus ausrufen und zugleich Sonnleitner und seinen Mitstreitern anerkennend auf die Schultern klopfen.

Solches Lob wäre freilich, wenn man es recht betrachtet, ungerechtfertigt. Zwar beklagen die wackeren Streiter bäuerlicher Interessen aus gutem Grund eine wahnwitzige Siedlungs- und Industriepolitik, die täglich in Deutschland schätzungsweise 77 bis 90 Hektar verschlingt, doch richtet sich ihr Protest zunächst an die falsche Adresse. Das wissen die Verbandstaktiker genau. Schließlich sind es doch die Landwirte selbst beziehungsweise ihre weichenden Erben, die recht gerne, nach jahrelanger Subventionsnutzung, ihre Flächen final als Bau- oder Gewerbegebiet vergolden möchten.

An die eigenen Mitglieder des DBV müssten also zuvorderst mahnende Worte gerichtet werden. Der Bauausschuss ist bekanntlich der Lieblingsaufenthalt bäuerlicher Gemeinderäte. Wenn man gar den Bürgermeister-Sessel erklommen hat, über die richtigen Beziehungen zur unteren Baubehörde verfügt, und was viel wirkungsvoller ist, zum Stimmkreispolitiker, dann kann man im eigenen Interesse schalten und walten. Den Lesern dieser Zeilen fallen sofort Beispiele ein – oder?

Der Bauernverband verschweigt, dass es ihm in Wahrheit vor allem knallhart um ein Aushebeln des Naturschutzgesetzes geht. Dort ist nämlich geregelt, dass für Eingriffe in die Natur und Landschaft, etwa durch Bebauung, Ausgleichflächen bereitgestellt werden müssen. Schon heute ist die Bereitstellung von Ausgleichflächen eine höchst willkürliche Angelegenheit und entspricht selten dem Geist und Sinn des Naturschutzgesetzes. Am liebsten möchten die listigen Bauernvertreter Geldleistungen als Ausgleich anbieten. Die Konsequenz: Genehmigungen von Eingriffen in Agrarflächen erfolgen rascher und der Landverbrauch würde sich beschleunigen.
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