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Stefanie Pionke zur Wankelmütigkeit der Märkt

Dies- und jenseits des Atlantiks holen die Notenbankchefs ihre „Big Bazookas“ raus. Zuletzt fuhren an diesem Mittwoch die Währungshüter in Japan schwere Geschütze auf, um die Wirtschaft anzukurbeln. Der Euro darf weiter gerettet werden.
Die Finanzmärkte reagierten zunächst mit Überschwang auf die geld- und verfassungspolitischen Entscheidungen der vergangenen Tage und Wochen. Sie verhalten sich damit im landläufigen Sinne irrational, denn strenggenommen besteht kein Anlass zur Beruhigung oder gar Freude.

EZB-Chef Mario Draghi kündigt an, klammen Eurostaaten - wenn es denn sein muss - in unbegrenztem Umfang Schuldpapiere abzukaufen. Die rotrobigen Karlsruher Verfassungsrichter entscheiden, die Bundesregierung dürfe sich weiter am Aufspannen des großzügigen Eurorettungsschirms beteiligen – wenn auch unter Auflagen. Und in den USA verkündet Notenbankchef Ben Bernanke, auf manische Weise US-Immobilienpapiere zu kaufen und weiter billige Dollars in den schwächelnden Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Die Notenbank in Japan reiht sich ein in den Reigen der Konjunkturbeflügeler und kündigt ein gigantisches Aufkaufprogramm für Staatsanleihen an.

Doch was heißt das alles für die Agrarwirtschaft? Die Finanzspritzen dies- und jenseits des Atlantik haben vor allem eine Wirkung: Geld ist billig verfügbar, will angelegt werden, und das gerne auch an den Agrarbörsen. Spekulanten, oder, vornehmer formuliert, institutionelle Anleger, reagieren auf die frohe Botschaft der Fed und decken sich in Chicago weiter fleißig mit Futures auf Agrarrohstoffe ein.

Dumm nur, wenn diese Anleger zwischenzeitlich mal Kasse machen, Gewinne einstreichen wollen und ihnen dazu jeder versprengte Regentropfen in den Weizenanbaugebieten Australiens oder im ausgedörrten Mittleren Westen der USA zur Begründung reicht. Dann zittern, wenn auch nur kurzfristig, die Kurse nicht nur an der Chicago Board of Trade, sondern auch an der Matif in Paris. Und hiesige Marktteilnehmer, denen der Markt immer noch ein Stück weit unheimlich ist, stimmen das alt bekannte Klagelied über die Unberechenbarkeit der Börsen an.

Eine weitere Nebenwirkung der geldpolitischen Ankündigungen der jüngsten Zeit: Der Euro ist im Verhältnis zum US-Dollar wieder teurer geworden und mit ihm europäische Agrarprodukte und -rohstoffe am weltweiten Exportmarkt.

Mal ganz abgesehen davon, dass die währungspolitische Krise durch solche waghalsigen geldpolitischen Manöver alles andere als gemeistert ist – die enge weltweite Versorgung mit Getreide und Ölsaaten führt trotz teurerem Euro dazu, dass Importeure aus dem Drittland an EU-Ware in dieser Saison nicht vorbeikommen werden. Das lässt Exporteure berechtigt auf gute Geschäfte hoffen, während die verarbeitende Industrie ängstlich auf die engen Versorgungsbilanzen schielt.
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