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Olaf Schultz zu Kempkes Ausstieg bei VK Mühlen

Es ist wohl „die" Personalie schlechthin zum Jahresausklang: Christoph Kempkes, bisheriger Vorstandsvorsitzender der VK Mühlen AG, wirft das Handtuch. Der Chef der größten deutschen Mühlengruppe scheidet zum 31. Januar 2014 aus, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen.

Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, geht Kempkes „auf eigenen Wunsch". Der 46-Jährige war seit Februar 2010 Mitglied des Vorstands und seit Januar 2012 Vorstandsvorsitzender. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr konnte der VK-Aufsichtsrat verkünden, dass der Vertrag von Kempkes vorzeitig um fünf Jahre bis zum 30. September 2018 verlängert wird. „Christoph Kempkes hat die Führung der Gesellschaft in einer sehr schwierigen Zeit übernommen und seither für eine glaubwürdige und nachhaltige Neuausrichtung der VK Mühlen gesorgt", lautete seinerzeit die Begründung, die sicherlich mit einer gewissen Portion „Erleichterung" kundgetan wurde.

Denn einen Konzern dieser Größe wieder „auf die Beine zu bringen" angesichts eines überaus problematischen Marktumfeldes - gekennzeichnet durch gravierende Überkapazitäten, hohen Wettbewerbsdruck, schwache Margen und erhebliche Volatilität an den Rohwarenmärkten -, war und ist für jeden eine gewaltige Herausforderung.

Der von Kempkes dazu initiierte Modernisierungs- und Restrukturierungsplan sieht in seiner Stringenz eine Radikalkur für VK Mühlen vor, begleitet von Licht und Schatten. So hat er einerseits vor wenigen Wochen die Ellmühle in Köln nach umfassender Modernisierung offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Andererseits bedeutete sein Job gleichzeitig auch, die Schließung des Standorts im saarländischen Völklingen zum Jahresende zu verkünden.

Aber nur mit diesem konsequenten Engagement ist es unter seiner Regie gelungen, VK Mühlen sukzessive aus den tiefroten Zahlen zu führen und den Turnaround umzusetzen. Standen beispielsweise im Geschäftsjahr 2010/11 beim Konzernergebnis noch knapp minus 32 Mio. € in den Büchern, kann Kempkes nach Abschluss der jüngsten Saison 2012/13 hier eine positive Entwicklung vorweisen.

Vor dem Hintergrund der vollständigen Übernahme von Deutschlands größter Mühlengruppe durch die österreichische Goodmills Group GmbH in Wien und dem dazu im Oktober eingeleiteten Squeeze-out-Verfahren hat der VK-Aufsichtsrat zunächst eine interne Lösung für die Aufgaben von Kempkes beschlossen. So wird eine Doppelspitze, bestehend aus Johannes Niclassen, im VK-Vorstand für die Segmente Finanzen, Personal und Informationstechnologie verantwortlich, sowie Gunnar Steffek, Geschäftsführer der Kampffmeyer Mühlen GmbH und verantwortlich für das gesamte inländische Mehlgeschäft, die Führung übernehmen.

Kempkes wird nach Informationen aus Branchenkreisen neuer Vorstandsvorsitzender des Brot- und Backwarenkonzerns Lieken AG, Düsseldorf. Seine Entscheidung, den Chefsessel in Hamburg zu räumen, dürfte im Wiener Mutterkonzern jedenfalls besinnlichen Feiertagen wenig Vorschub geleistet haben. Denn „Zurücklehnen" zum Jahresende ist angesichts der „Habenseite" von VK Mühlen zwar durchaus berechtigt. Andererseits ist das Aufgabenspektrum für „die Neuen" im fernen Hamburg, das es zu meistern gilt, unverändert beachtlich.
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