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Dr. Jürgen Struck zu Kanzleramtsminister Peter Altmaier

In Berlin schrillten in dieser Woche wieder einmal die grün-schwarzen Alarmglöckchen. Wenn ein Schwergewicht der CDU, in diesem Fall der engste Vertraute der Bundeskanzlerin, Kanzleramtsminister Peter Altmaier, gemeinsam mit dem Fraktionsvorsitzenden der Partei Bündnis90/ Die Grünen, Dr. Anton Hofreiter, vor die Presse tritt, ist Aufsehen garantiert. Es ging dabei um die Landwirtschaft, und im Besonderen um die Tierhaltung.
 
Anton Hofreiter hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Fleischfabrik Deutschland". Erscheinen soll es am 13. Juni 2016 zum Preis von € 19.90. Die Zielrichtung erscheint klar, Überraschungen sind kaum zu erwarten. Doch zur Vorstellung seines Buches hatte Hofreiter den besagten Kanzelamtsminister gebeten. Und der Integrationsbeauftragte der Bundesregierung und oberste Koordinator der Geheimdienste fand tatsächlich Zeit, diesem Wunsch zu folgen. Dies gab für die in großer Zahl teilnehmenden Medienvertreter natürlich Anlass für vielfältige Spekulationen. Doch auch innerhalb der regierendenden CDU-Fraktion löste das gemeinsame Auftreten zumindest Stirnrunzeln aus, bei den einschlägigen landwirtschaftlichen Verbänden ohnehin.

„Natürlich ist der gemeinsame Auftritt keine Koalitionsaussage", stellte Altmaier daher auch gleich zu Beginn klar. Nun ist das mit der Beständigkeit der Aussagen von Politikern so eine Sache, lehrt die Erfahrung. Doch Altmaier betonte, dass er aus zwei Gründen gekommen sei. Erstens die - trotz unterschiedlicher Auffassungen über verschiedene Themen - bestehende Wertschätzung für die Person Anton Hofreiter, und zweitens, die Bedeutung des Themas Landwirtschaft in seiner Gesamtheit. Er hält eine „professionell" betriebene Landwirtschaft für unverzichtbar, auch in Deutschland, auch in der Fleischerzeugung. Damit ging Altmaier klar auf Distanz zu Hofreiter.

Dieser beschrieb in der  bekannt kurzen Argumentationskette  auch gleich die seiner Ansicht nach bestehende Problematik: Die „Fleischfabrik Deutschland" importiert Futtermittel aus Regionen, in denen der Regenwald abgeholzt wird - dort würden zunehmend gentechnisch-veränderte Pflanzen angebaut - mit giftigen „Pestiziden" behandelt - anschließend in der Massentierhaltung in Deutschland zur Erzeugung von sehr viel Fleisch verwendet  - der Fleischüberschuss gelangt in die armen Länder und zerstört dort die Märkte - als Folge flüchten die Menschen. Erst kürzlich habe ihm dies ein Flüchtling aus Afrika bestätigt: Punkt.

Altmaier dagegen rät zum sachlichen Umgang mit den Fragen. Die Welt müsse sich der Herausforderungen der wachsenden Weltbevölkerung stellen. Eine gesicherte Nahrungsmittelerzeugung sei dazu notwendig. Alle damit in Zusammenhang stehenden Fragen, auch zur Ökologie, bedürfen der Prüfung und Bearbeitung auf wissenschaftlicher Grundlage, betont er. Und wäre er ein Deutschlehrer, so müsse er ausgehend vom Inhalt des Buches und seinem gewählten Titel sagen: Thema verfehlt. Nach wie vor sei Deutschland im internationalen Vergleich ein Standort mit höchsten Standards. Die Tatsache, dass Lebensmittel hierzulande preisgünstig sind, sei kein Nachteil und folge aus optimierten Produktionsverfahren. Nebenbei erwähnte Altmaier, dass er sich in den vergangenen Wochen intensiv mit dem Thema Glyphosat beschäftigt habe. Er komme zu dem Schluss: Die Frage ist sehr komplex!

Welches Fazit können wir ziehen? Der Agrarsektor wird gewürdigt. Auch wird ihm eine besondere Bedeutung für die Versorgung der Menschen in der ganzen Welt zugemessen - darin waren sich beide einig. Auch war Hofreiter so klug den Erzeugern keine Vorwürfe zu machen. Sie sieht er als Opfer eines größeren Systems. Altmaier dagegen warb für die sachlichen Positionen innerhalb seiner Partei - traditionell sei die CDU die Partei für die Landwirtschaft, das werde sie auch bleiben....

Soweit so gut, über alles lässt sich reden. Sicher auch über grün-schwarze Bündnisse. Unter dem Strich: Perfekter Auftritt.
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