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Olaf Schultz zur Mühlenbranche

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während im Zeitraum 1950/51 noch knapp 19.000 Mühlen ihren Dienst versahen, hat sich deren Anzahl bis heute quasi „auf eine Handvoll" Betriebe verschlankt.

Und dieser Trend ist längst nicht gestoppt. Laut den jüngsten Strukturdaten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn wurden im Wirtschaftsjahr 2011/12 noch 252 Mehlhersteller registriert, die mehr als 500 t Getreide pro Jahr verarbeiten. Weitere neun Unternehmen haben sich damit im Vergleich zur vorangegangenen Saison aus dem Markt verabschiedet; seit dem Zeitraum 2000/01 waren es - laut der Statistik - sage und schreibe 109 Betriebe. An dieser Stelle sei ein Rechenbeispiel gestattet: Sollte sich der seit der Jahrtausendwende zu verzeichnende Trend fortsetzen, wäre die Mühlenbranche innerhalb der kommenden 10 bis 15 Jahre von der Bildfläche verschwunden. Wohlgemerkt: rein rechnerisch.

Gespannt darf man sein, welche Branchendaten die Bonner Statistiker in etwa einem Jahr vorlegen werden. Denn vor wenigen Monaten hat das Bundeskartellamt Bußgelder in Millionenhöhe gegen Mitglieder des „Mehlkartells" verhängt. Die Strafzahlungen könnten die Existenz einzelner Betroffener durchaus gefährden und hätten dann quasi einen „beschleunigten Strukturwandel" impliziert.

Schließlich muss in der Branche überaus scharf kalkuliert werden. Grund dafür ist der knallharte Wettbewerb am Mehlmarkt. Dieses Phänomen hat trotz des „Mühlensterbens" bis heute nicht an Brisanz verloren. Die Überkapazitäten am deutschen Mehlmarkt werden von Branchenexperten unverändert auf 20 bis 25 Prozent beziffert.

Die zu beobachtenden Strukturveränderungen in einer Branche in Zahlenform sind eben eine Seite der Medaille. Die Etablierung zukunftsfähiger Unternehmen mit einträglichen Konzepten ist eine andere. Um auch „morgen" noch Bestandteil der BLE-Erhebung zu sein, muss jeder Müller seine eigene Strategie dahingehend entwickeln.
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