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Stefanie Pionke zur Branchenkommunikation

Die aktuelle Debatte um wahlweise Tierwohl, Tiergesundheit oder Tiergerechtigkeit zeigt wieder einmal eindrücklich, woran es der Agrarwirtschaft krankt: An einer wirkungsvollen Selbstdarstellung nach außen. Während Politiker fleißig runde Tische decken, um an ihnen das Wohlergehen des Nutztiers zu erörtern, lassen überzeugende Kommunikationsinitiativen aus der Agrarwirtschaft auf sich warten.

Warum erörtert eigentlich keiner systematisch die Frage, bei welcher Bestandsdichte sich die gemeine Pute wohl und ab welcher sie sich unwohl fühlt? Warum überlässt die Agrarwirtschaft Politikern und Nichtregierungsorganisationen immer wieder solange das kommunikative Feld, bis sie soweit in die Ecke gedrängt ist, dass es gar nicht mehr anders geht?

Sicher – die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) hat unlängst ein „Infozentrum Tiergerechtigkeit“ auf der Fachmesse Eurotier Mitte November in Hannover angekündigt. Dort soll täglich kontrovers über das Thema diskutiert werden. Doch damit zeigt sich die DLG lediglich als Trittbrettfahrerin, die auf den momentan so beliebten Tierwohl-Zug aufspringt.

Der Deutsche Bauernverband hat in diesem Frühjahr die Informationskampagne „Arbeit mit Leidenschaft“ auf seiner Webseite neu überholt und widmet sich nun verstärkt dem Tierwohl. Dort fragen in Reportagen vermeintliche verdutzte Verbraucher Landwirte, ob denn die Kälber in ihren Iglus, in die sie gleich nach der Geburt kommen, nicht frierten?

Die Frage sei erlaubt, ob solche eher hilflos anmutenden Ansätze einer Verbraucherkommunikation einen wirkungsvollen Gegenakzent in einer öffentlichen Debatte setzen können, in der die Luft für die Tierhalter – Stichwort: Novelle des Baugesetzbuches – immer dünner wird.

Der neue Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hat im Interview mit der agrarzeitung zu seinem Amtsantritt im Juni die öffentliche Debatte um das Tierwohl als „enorme Herausforderung“ bezeichnet. Die deutschen Bauern könnten diese Debatte nur für sich entscheiden, wenn sie sich „offensiv und mit guten Argumenten“ in die Diskussion einschalten. Herr Rukwied, wir hören!

Dabei bleibt das Fehlen einer wirkungsvollen Außendarstellung nicht auf das Thema Tierwohl beschränkt. Man denke nur an die Diskussionen um die Grüne Gentechnik, „Spekulanten“ an den Agrarrohstoffbörsen oder um geldgierige Futterpanscher zu Hochzeiten der Dioxinkrise.

Repräsentanten aus unterschiedlichen Bereichen entlang der Wertschöpfungskette reden wieder und wieder darüber, dass eine überzeugende, übergreifende Branchenkommunikation fehlt. Solange überzeugende Ansätze aus der Agrarwirtschaft auf sich warten lassen, werden wohl Außenstehende weiter den öffentlichen Diskurs prägen.
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