Dagmar Hofnagel zum Stand der Getreideernte

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Die Landwirte im Südwesten konnten oder mussten in den vergangenen Tagen eine Verschnaufpause einlegen. Teilweise unwetterartige Niederschläge haben die Erntearbeiten unterbrochen. Ein großer Teil der Felder ist allerdings bereits geräumt. Erträge und Qualitäten können sich bisher sehen lassen.

Dennoch gibt es schon einige Beanstandungen beim Weizen. Preisbefestigend wirkte sich diese Tatsache bisher allerdings nicht durchgängig aus. Aktuell gibt es allerdings Bewegung im Markt. Verarbeiter und Verkäufer sollten einen genauen Blick auf die Qualität der Ware in diesem Jahr nicht verpassen und gut separieren. 

Wintergerste ist mit überzeugenden Erträgen und Hektolitergewichten so gut wie geräumt. Bei der Braugerste fehlt mitunter etwas Protein. Die Rapsernte ist ebenfalls weit vorangeschritten. Weitestgehend gute Erträge charakterisieren die Ergebnisse dieses Jahres. Wenn in den frühen Gebieten der Weizen bereits zu einem großen Teil eingefahren ist, blickt der Markt jetzt gespannt auf die Ergebnisse nach den Regenfällen. 

Die Talfahrt der Preise generell konnte bisher durch die Nachrichten über die heterogenen Qualitäten nicht nachhaltig gebremst werden. Die fundamentalen Daten weltweit sprechen einfach eine andere Sprache. Tendenzen von Aufflackern an den internationalen Börsen waren eher von kurzer Dauer. Politische oder andere Ereignisse mit Auswirkungen auf die Börsen sind dabei unkalkulierbar.

Dennoch gibt es Anzeichen regionalen Bedarfs nach besseren Qualitäten und damit die Bereitschaft, etwas mehr für gute Ware anzulegen. Beispielsweise suchen französische Einkäufer Weizen mit 14 Prozent Protein. Auch müssen sie ihre Exportzusagen mit überregionalen Einkäufen erfüllen. Ein nicht unerheblicher Teil der französischen Ernte leidet unter Qualitätsproblemen.

Die Matif reagiert aktuell auf diese Nachrichten. Auch die Prämie für A-Weizen zu B- Qualitäten hierzulande könnte einen leichten Aufschwung erleben, wenn sich die Proteinschwäche in den kommenden Tagen bestätigt. Diese Handelswege gilt es im Auge zu behalten. Brotweizen hat ebenfalls bereits eine Prämie zum Futterweizen. Dies war im vergangenen Jahr nicht die Regel.

Angesichts dieser Situation ist die Neigung groß, erst einmal die Ware einzulagern. Doch sollte das Verkaufen nicht in Vergessenheit geraten. Nur zu gut ist noch in Erinnerung, dass bei einem ähnlichen Verhalten in anderen Jahren, Verkäufer aus anderen Regionen den hiesigen Markt bedient haben. Gleichzeitig gilt es andere Handelswege zu erkennen und Chancen wahrzunehmen. Qualität könnte ihren Preis noch bekommen.
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