--

Peter Seeger zum Nachwuchs in der Landwirtschaft

Die Ausbildungszahlen in der Landwirtschaft in Deutschland steigen, und das gegen den Trend der übrigen Berufe. Das ist doch eine tolle Nachricht, auf die wir stolz sein können. Somit trägt das Werben für die grünen Berufe endlich Früchte. Das Image der Landwirtschaft kann doch nicht so schlecht sein, wenn man junge Leute für diesen Beruf begeistern kann. Doch das heißt jetzt nicht, dass die Branche die Hände in den Schoß legen und sich freuen kann: Wir müssen dafür sorgen, dass die Begeisterung des Nachwuchses auch bleibt.

Dies ist dringend notwendig, um eine flächendeckende Landwirtschaft zu gewährleisten. In meiner Heimat, der hessischen Region Starkenburg, hat die Berufsschule ein Einzugsgebiet von fünf Landkreisen mit gesamt circa 93.000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. Doch die Generation der Babyboomer verabschiedet sich nach und nach in den Ruhestand und Nachwuchs, der die Flächen bestellen könnte, ist rar gesät. Zu spüren bekommen das vor allem die Bereiche Tierhaltung, Sonderkulturen oder Direktvermarktung.

Könnten wir mit diesen bescheidenen Strukturen den gesellschaftlichen Wunsch nach kleinbäuerliche Landwirtschaft mit Direktvermarktung und Streichelzoo realisieren? Sicher nicht, die Betriebe werden sich daher noch weiter spezialisieren müssen, um Ressourcen für die Sonderformen der Landwirtschaft frei zu setzen. Die arbeitsintensivere Ökolandwirtschaft merkt auch schon, dass man nicht nur Ideen braucht, sondern auch Arbeitskräfte, die diese Ideen umsetzen. Gerade die Semi-Subsistenzlandwirtschaft, die gerne gefordert wird, muss sich vielleicht auch neue Bevölkerungsgruppen für die Erledigung der Arbeit suchen.

Schon jetzt ist bei der jungen Generation ein klarer Trend zum Ackerbau zu spüren. Man muss ja auch zugeben, dass hauptsächlich junge Männer von der Technik auf dem Feld zu begeistern sind. Die Landtechnikindustrie leistet einen erfolgreichen Beitrag dazu, indem sie ihr Marketing vor allem auf technikbegeisterte Männer zuschneidet: Dicke Schlepper wecken Begehrlichkeiten. Natürlich zum Leid der Tierhalter, für die es immer schwieriger wird, geeignete Azubis zu finden. Denn das Image der Tierhaltung leidet unter der gesellschaftlichen Kritik. Und vielleicht müssen die Tierhalter sich in Sachen Marketing noch ein bisschen was von der Landtechnik abschauen.

Ich bin immer wieder fast amüsiert, wenn Verbandsvertreter bedauern, dass nur noch zwei Drittel der Lehrlinge aus landwirtschaftlichen Familien kommen. Dies kann man natürlich so sehen, aber eigentlich müssen wir uns doch freuen über diese Neuzugänge! Zum einen bringt jeder Quereinsteiger auch neue Ideen und Lebenserfahrungen in unsere Branche. Zum anderen brauchen doch gerade die wachsenden Betriebe Mitarbeiter, die nicht auf den elterlichen Hof zurückgehen, sobald sie ausgelernt haben.

Am Ende der erfolgreichen Ausbildung ist es aber auch unsere Aufgabe, die jungen Leute weiter an die Landwirtschaft zu binden. Zu viele gute Mitarbeiter gehen uns nach der Lehre in andere Berufe verloren. Ein Faktor ist sicher, dass das Gehaltsniveau auf vielen Betrieben nicht in die heutige Zeit passt. Motivierte junge Leute aus der Landwirtschaft werden auch in anderen Bereichen gerne übernommen. Es ist die Herausforderung, auf den Betrieben die Arbeitseffizienz so zu steigern, dass man auch ordentliche Löhne bezahlen kann.

Der „Wettbewerb um die besten Köpfe“, wie es der DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer unlängst bezeichnete, ist auf allen Ebenen im vollen Gange. Für viele Betriebe ist die Verfügbarkeit von guten Arbeitskräften zu einem der größten Produktionsfaktoren geworden. Nur zum Trost: Dies ist in fast jedem Bereich der Wirtschaft eine der größten Herausforderung. Für die praktische Landwirtschaft ist sie nur noch relativ neu. Erst der Strukturwandel und die damit steigenden Betriebsgrößen hat den Bedarf an Arbeitskräften außerhalb der Familie erhöht.
stats